S.S. America 1978
Der Relaunch der America- was als unbeschwerte Kurzkreuzfahrten mit Wohlfühlfaktor zu niedrigen Preisen geplant war, endete in einer totalen Katastrophe. Fehlplanungen, Gewinnmaximierung auf kosten der Besatzung, Passagiere, Sicherheit, Hygiene und des Schiffes im allgemeinen, unglückliche Verkettungen und utopische Zeitpläne bestimmten die kurze Rückkehr der America in ihren alten Heimathafen New York..
Was am Ende blieb, war der wenig schmeichelhafte, aber leider treffende Spitzname "Kakerlakenschiff" für den einst stolzen Liner.

Seite 1: Umbau und Konzept
Inhalt


1978 wurde die Australis von einem aus mehreren Unternehmen bestehenden Konsortium, das sich den Namen American Cruise Line gab, für 6,5 Millionen* US$ erwoben.
Kurze Zeit später wurde die neu geschaffene Gesellschaft wegen eines Markennamenstreits in "Venture Cruise Lines of New York" umbenannt. Von ihrem Aufliegeplatz in Neuseeland, Timaru, ging es für den alten Liner am 23. April über den Pazifik durch den Panamakanal in Richtung New York.

Man benannte die Australis wieder in America um, um aus dem Glanz ihrer früheren Karriere Werbevorteile zu ziehen und gab ihr einen neuen, royalblauen Anstrich.
Das Konzept der Venture Cruise Lines setzte auf Kurzkreuzfahrten vor der Ostküste Nordamerikas, mit Heimathafen New York, die zu sehr niedrigen Konditionen möglichst viele Passagiere auf die America als schwimmendes Unterhaltungszentrum locken sollten. Das Schiff als Hauptreiseziel mit den damals sehr beliebten "cruises to nowhere"- "Kreuzfahrten nach nirgendwo" im Angebot.
Zu diesem Zweck sollte ein Kasino mit einarmigen Banditen, Blackjack, Roulettetischen und Kartenspielen nachgerüstet, das Kino umgebaut und modernisiert, sowie drei moderne Diskotheken mit zwei Schiffsbands nachgerüstet werden. Außerdem wurde eine Modernisierung der Aufenthaltsräume und Restaurants angestrebt.
Auch die Kabinen sollten renoviert und einige bisher WC-lose mit privaten Sanitäreinrichtungen nachgerüstet werden.
In der folgenden Werbebroschüre kann man noch einmal das angepriesene, sehr umfassende Angebot zu Dumpingpreisen nachlesen, welches den Passagieren versprochen wurde. Die Broschüre liest sich fast ironisch, wenn man den tatsächlichen Ablauf mit ihr abgleicht:

Die America im Hudson River.
-Bild: Postkarte-
Soweit die Theorie und die Werbeversprechen. Die Wirklichkeit sollte die America jedoch bald einholen.

Nach dem monatelangen Aufliegen in Neuseeland und den letzten Chandris Jahren, in denen größere Investitionen wegen Kostendrucks klein gehalten wurden, war die Australis in einem renovierungsbedürftigen Zustand, der es eigentlich nicht erlaubte, zahlenden Passagiere an Bord zu lassen. Anstatt aber auf gründliche Vorbereitungen der alten Lady für eine erneute Passagierbeförderung zu setzen, stellten die Venture Cruise Lines einen aberwitzigen Zeitplan auf. In nur sechs Wochen nachdem das Schiff aus Neuseeland in New York angekommen war, wollte man den regulären Kreuzfahrtbetrieb starten.

Sechs Wochen zwischen dem 19. Mai und dem 30.Juni, an dem die erste Kreuzfahrt geplant war, um das Schiff in einem Trockendock zu warten, es neu zu streichen, die Maschinen zu modernisieren, das Schiff neu einzurichten (da viele Einrichtungsgegenstände bei Chandris verblieben waren), ein Casino einzubauen, die Kabinen zu streichen und neu auszustatten, die elektrische Verkabelung zu erneuern, sowie Probleme mit dem Abwassersystem zu beheben.
Das alles wurde dann zu einem Grossteil von dafür unqualifizierten Arbeitskräften durchgeführt, zu denen teilweise sogar Studenten zählten, um Kosten zu sparen. Dadurch kam es auch zu Schäden und teilweise unachtsamen Übermalungen von Messingfenstereinfassungen, Aluminiumhandläufen und von sicherheitsrelevanten Systemen und Hinweistafeln.
Einige Projekte, wie etwa die Erneuerung der Maschinen und Elektrik, wurden kurzerhand auf unbestimmte Zeit verschoben.
Wegen der nicht rechtzeitig behebbaren Probleme mit dem Abwassersystem, musste die Passagierkapazität von 2200 auf 600 begrenzt werden.
Anstatt aber den Zeitplan zu überdenken, um mehr Zeit für ungelöste Probleme zu haben und Umbau und Renovierungen abzuschließen, setzte man auf volles Risiko und das Unglück nahm seinen Lauf...
S.S. America 1978

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Die Blitz- Überholung des Schiffes in drei Schritten.

Schritt 1: Die America im Trockendock von Bayonne, New York.
Schritt 2: Die America an ihrem Pier nach dem Entfernen der Chandris Logos und des Australis- Schriftzugs. Der Rumpf wurde teilweise abgeschliffen, um ihn für die neue Farbe vorzubereiten.
Schritt 3: Die fertige America sieht aus wie neu, allerdings nur von außen.
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