U.S.S. West Point 1941-1946- Der "graue Geist"
In den folgenden Kriegsjahren begann eine gefährliche und herausfordernde Zeit für die USS West Point, ihre Besatzung und die transportierten Soldaten, die besonders in den ersten Monaten im Kriegseinsatz von Notfallmissionen geprägt war:

Das erste mal in eine Kampfzone gelangte das Schiff Anfang Januar 1942. Der auf der vorherigen Seite erwähnte von Basrah nach Bombay nach Singapur umgeleitete Truppentransport, der gut die eskalierende Lage im Pazifikraum verdeutlicht, näherte sich langsam der zu Niederländisch- Indien (heute Indonesien) gehörenden Insel Java an. Für diesen Bereich wurden japanische U-Boot Aktivitäten gemeldet und so wurde beschlossen, den Konvoi in dem sich die West Point befand, auf einem Umweg durch ein schützendes, aber zugleich auch gefährliches Korallenriff zu lotsen. Die Schiffe passierten das Riff bei langsamen 10 Knoten hintereinander aufgereiht. Die Lage in Singapur wurde zwischenzeitlich immer bedrohlicher. So wurde der Konvoi aufgespalten und die schnelleren Schiffe, zu denen die West Point gehörte, vorrausgeschickt, um schneller in der ostasiatischen Metropole einzutreffen und die dort kämpfenden britischen Soldaten zu verstärken. Beim Einlaufen der West Point am 29. Januar lag der Marinehafen der Stadt bereits unter permanenten japanischen Luftangriffen. So wichen sie und die anderen Truppentransporter in den weniger bombardierten und von Luftabwehr geschützten zivilen Frachthafen aus.
Nur um haaresbreite entkam der umfunktionierte Luxusliner seinem Ende einen Tag später. Während er im Hafen vor Anker lag, startete ein japanischer Luftangriff auf die Stadt. Einige Bomben detonierten in nächster Nähe, verfehlten das Schiff jedoch glücklicherweise, so dass lediglich Bombensplitter geringfügigen Schaden anrichteten. Ein mit im Hafen liegendes Versorgungsschiff hatte weniger Glück. Es erlitt einen direkten Treffer und sank sofort. Die Lagerhäuser am Hafen standen in Flammen. Wegen der sich zuspitzenden Lage wurde ein Notfallplan für die Evakuierung von Zivilisten aus der Stadt aufgestellt. Die West Point nahm in aller Eile über 1000 Flüchtlinge an Bord, unter ihnen viele Frauen und Kinder. Noch am selben Abend floh die West Point (Taue zwischen Schiff und Pier wurden mit Äxten durchschlagen) zusammen mit der Wakefield unter dem Schutz der einbrechenden Dunkelheit aus der wenig später in japanische Hände fallende Stadt in Richtung Batavia auf Java. Dort wurden am 31. Januar weitere Flüchtlinge an Bord genommen. Unter dem Geleit des britischen Zerstörers HMAS Vampire und zwei weiteren Eskorten ging es dann für die West Point und die Wakefield in Richtung des sicheren Ceylon (heute Sri Lanka). Auf dieser Passage wurde am 4 Februar an Bord ein Baby geboren, das erste in der langen Karriere des Schiffes.
Seite 2: Die West Point im Einsatz
Von Australien aus machte sich die West Point auf nach San Francisco, wo sie am 24. April eintraf. Die oft spontanen Nothilfsmissionen der ersten Monate endeten für das Schiff mit dieser Reise. Die von dem Überfall auf Pearl Harbour überrumpelten USA hatten inzwischen eine Strategie für die Bekämpfung der Japaner ausgearbeitet, in der die West Point im weiteren Verlauf eingebunden war.
Die Zeit von Mitte 1942 bis Mitte 1944 verbrachte das Schiff so hauptsächlich auf Missionen im indischen Ozean und im Pazifik. Die Hauptaufgabe während dieser Zeit war zweifellos der Transport von Soldaten zu ihren Einsatzgebieten. Aber auch Krankentransporte oder die Evakuierung von Personen aus bedrohten Gebieten und Kriegsgefangenentransporte (Der erste große Kriegsgefangenentransport der West Point beförderte im April 1943 Teile von Rommels geschlagenem Afrikakorps von Suez nach Australien) gehörten zu den Tätigkeiten.
Nicht nur US-amerikanische Truppen wurden transportiert, auch zahlreiche andere Truppenkontingente der alliieren Streitkräfte, wie z.B. australische, englische und neuseeländische Divisionen gelangten auf der West Point zu ihren Einsatzorten.
Im Sommer 1942 wurde die West Point weiter aufgerüstet. Ihre Transportkapazität wurde von 5000 auf über 8000 Personen erhöht und zusätzliche Abwehrgeschütze montiert. Diese Kapazitätserweiterung sorgte zwar für ziemlich beengte Verhältnisse an Bord, erhöhte aber ihre Effektivität deutlich. Ihre Schnelligkeit bei hoher Kapazität machte sie zum strategisch wichtigsten Transportschiff der USA im Krieg. Durch die Möglichkeit hohe Truppenkontingente schnell an Brennpunkte zu bringen, gelang es den USA, den Vormarsch der Japaner in Pazifikraum mit einer überlegenen Mobilität zu stoppen. Die West Point brachte dabei allein über 40.000 Soldaten in das nach der japanischen Invasion von Neuginea direkt bedrohte Australien.

Seit einem verheerenden Brand Anfang September 1942 auf der die West Point bis dahin oft begleitenden USS Wakefield fuhr das Schiff aus Sicherheitsgründen meist ohne Eskorten und andere Truppentransporter auf geheimgehaltenen Routen, da sie aufgrund ihrer Schnelligkeit alleine ein schwerer zu treffendes Ziel war, als in Konvoifahrt mit langsameren Kreuzern und Transportern. Ihre Schnelligkeit, Wendigkeit, und Rumpfbemalung, welche dafür sorgten, dass sie für den  Gegner nur schwer zu orten und noch schwerer anzugreifen war, sowie oft aus dem Nichts aufzutauchen schien, brachten ihr so den Spitznamen "Grey Ghost", "grauer Geist", ein.
Der graue Geist fuhr, wann immer es möglich war, unter Volldampf mit einer Geschwindigkeit um 23 Knoten, meistens auf einem Zick-Zack-Kurs navigierend, um feindlichen U-Boot Angriffen keine Anpeilungsmöglichkeit zu bieten. Höchstgeschwindigkeit wurde mit nur 5 der sechs Kessel in Betrieb erreicht, so dass im Rotationsprinzip immer ein Kessel gewartet werden konnte und Dienstunterbrechungen unnötig waren. Die großen Treibstofftanks, welche eine Reichweite von über 11.000 Seemeilen erlaubten, sorgten zudem dafür, dass das Schiff nur relativ selten neu betankt werden musste. So konnte kostbare Zeit auf den Routen gespart werden.
Die West Point 1944 vor den U.S. Naval Drydocks bei Hunters Point, San Francisco. Gut zu erkennen sind die montierten Abwehrgeschütze sowie die fehlende original Reling  im Heckbereich, welche durch eine für Kriegsschiffe typische umklappbare ersetzt wurde, um bei Einsatz der Geschütze nicht im Weg zu sein.
-Bild: U.S. Navy/ National Archives-
Ab 1944 verlagerte sich mit der erfolgreichen Landung der alliierten in der Normandie der Schwerpunkt der Transporte der West Point mehr in den Atlantik. Das Schiff wurde für eine Art Linientransport von den USA nach Europa und Nordafrika eingesetzt.
Auf der Hinfahrt nach Europa transportierte es Truppenverstärkungen und auf den Rückfahrten in die USA Verwundete und Kriegsgefangene.

Nach Kriegsende wurde die West Point für den Rücktransport von amerikanischen Truppen und "Kriegsbräuten" in die USA eingesetzt. Bis Ende 1945 auf der Route nach Europa und ab Anfang 1946 noch einmal im Pazifik.
Die letzte Reise, mit rücktransportierten amerikanischen Militärangehörigen von den Philippinen, endete am 7. Februar 1946 in New York.

West Point auf hoher See.
-Bild: US Navy, National Archives-
Die West Point beim einlaufen in New York, Sommer 1942
-Bild: US Navy, National Archives-
links: dramatische Bugaufnahme der Westpoint 1944 in der Bucht von San Francisco. rechts: Heckansicht, gleicher Ort.
-Bilder: US Navy-
Oben/unten: West Point läuft mit siegreichen Truppen nach Kriegsende in den Hafen von New York ein.
-Bilder: US Navy/National Archives, Maritime Comission-
Die Westpoint in Melbourne, 15. März 1943.
-Bild: Newport News SB-
Danach wurde die West Point aus ihrem Militärdienst entlassen. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie die beeindruckende Zahl von über 500.000 Personen sicher über die ganze Welt zu ihren Destinationen transportiert und dabei insgesamt eine Distanz zurückgelegt, die ungefähr einer 15 -fachen Erdumrundung entspricht.

Auch wenn die Tätigkeit als Truppentransporter auf den ersten Blick nach einer glanzlosen Unterbrechung der Karriere aussieht, so war es alles andere als das, denn das Schiff diente mit seinen Einsätzen dem Sieg der Freiheit über die totalitären Unrechtsregime in Europa und Asien.
Die West Point machte ihren Erbauern alle Ehre und überstand diesen Einsatz ohne größere Schäden an Mensch und Material. Keine einzige Person an Bord lies aufgrund von feindlichen Angriffen ihr Leben, während des gesamten Krieges nicht. Diese Bilanz ist einzigartig und beeindruckend zugleich, hatte aber auch damit zu tun, dass die West Point wegen ihrer enormen strategischen Kriegsbedeutung aus den gefährlichsten Kriegseinsätzen für Schiffe wie Landungen und aktiven Kampfzonen weitesgehend herausgehalten wurde.
Eine große Anzahl Militärangehöriger aus dieser Zeit blicken mit Stolz auf ihr Schiff, die USS West Point und ihre bravourös gemeisterten Aufgaben zurück und behielten und behalten sie Zeitlebens in Erinnerung.

Inhalt

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Essen im ehemaligen erste Klasse Speisesaal.
-Bild: Newport News Shipyard Bulletin-
Karte aller Missionen der West Point.
-Newport News Shipyard Bulletin-
Lebensmittelverbrauch
(während einer Transatlantiküberfahrt bei 8500 Personen  an Bord):

10.000 kg Weizenmehl, 5.700 kg Zucker, 1.600 kg Butter, 93.600 Eier, eine Tonne Salz, 9.500 kg knochenloses Fleisch, 1.100 kg Hühnchenfleisch, 2.700 kg Schweinerücken, 800 kg Dosenschinken, 700 kg Speck, 2.300 kg Schinken, 2.300 kg Fleischwurst, 900 kg Truthahn, 4.500 kg Orangen, 3.200 kg Äpfel, 4.500 kg Kohl, 31.800 kg Kartoffeln, 2.300 kg Kondensmilch, 1.800 kg Marmelade, 1.100 kg Zwiebeln
Die West Point aus einem Luftschiff heraus gefilmt.
-Bild: Maritime Commission Werbefilm-
West Point (links neben Kopf v. Freiheitsstatue) läuft 1945 in den Hafen von New York ein.
-Bild: Maritime Comission-
West Point, Heckansicht bei Volldampf.
-Bild: Maritime Comission-
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Während dieser Zeit umspannten die langen Reisen des Schiffes oft die ganze Welt.
Ein kurzer Einblick in den Fahrplan Anfang November 1942 bis Ende Januar 1943:
Am 1. November 1942 lief die West Point mit 8326 US Soldaten an Bord in New York aus. Ziel war Bombay in Indien, allerdings war die lange Seereise nicht ohne Zwischenstop zu schaffen. So wurde zunächst eine Route in Richtung Südamerika eingeschlagen, um nach 5154 Meilen in Rio de Janero Treibstoff und Proviant aufzufüllen. Am 12. November brach das Schiff dann von Rio zu seiner über 8300 Meilen langen Überfahrt nach Bombay auf, wo es nach 17 Tagen auf See am 29. November ankam. In Bombay angekommen gingen die meisten Soldaten von Bord. Das nächste Ziel auf der Route der West Point war Australien. Auf der 6021 Meilen langen Überfahrt nach Melbourne waren neben der Besatzung nur 40 Passagiere an Bord. Am 19. Dezember brach das Schiff von Melbourne mit 303 Soldaten an Bord in Richtung Neuseeland auf. Beim Einlaufen in die beiden größten Städte des Landes, Wellington und Auckland, am 23. bzw. 26. Dezember, nahm es über 7500 neuseeländische Soldaten auf, um sie nach Neukaledonien zum verteidigen der 1145 Meilen entfernten Insel Noumea zu bringen. Von Noumea aus wurde die West Point ins ostaustralische Brisbane geordert, wo sie nach 826 Meilen auf See am 6. Januar eintraf, um 8582 an Malaria erkrankte GIs der US- Streitkräfte in das für eine Genesung klimatisch besser geeignete Melbourne zu verlegen. Zusätzliche Strapazen für die Erkrankten ergaben sich dadurch, das die West Point zu viel Tiefgang für ein Anlegen am Hafenpier der Stadt hatte und die Passagiere über Transportflöße auf das stattdessen im 17 Meilen entfernten Flussdelta des Brisbane River ankernde Schiff gebracht werden mussten. Nach dem Eintreffen in Melbourne am 12. Januar, ging es über Auckland mit 2400 verwundeten an Bord zurück in die USA nach San Francisco, wo die West Point am 31. Januar ankam.

Bei einer Begebenheit vor der Küste Brasiliens verfehlte ein deutscher Torpedo nur knapp den Bug der West Point. Mehrere male während des Krieges wurde fälschlicherweise die mit militärischen Ehren belohnte Versenkung des Schiffes von den Achsenmächten vermeldet, welches neben der Queen Mary und der Queen Elizabeth der drittgrößte Truppentransporter der Alliierten war.
Aber auch im sicher geglaubten Colombo auf Ceylon war die Lage beim eintreffen der West Point chaotisch. Es gab nicht genügend Proviant um die Truppentransporter ausreichend für eine volle Beladung zu versorgen. So baten die britischen Offiziellen die West Point und die Wakefield stattdessen nur eine geringe Anzahl von Truppen und Personal nach Bombay zu Verlegen bzw. zu evakuieren. Auf der Fahrt nach Bombay wurden beide Transporter von dem alternden griechischen Zerstörer Queen Olga beschützt, einem Veteran aus dem 1. Weltkrieg. Von Bombay aus ging es für die West Point weiter nach Suez in Ägypten, um dort australische Soldaten aufzunehmen, die von den Kämpfen in Nordafrika zurück nach Australien zum Heimatschutz vor Japan verlegt wurden.
Geburtsurkunde von Westpoint Leslie Sheldrake, geboren am 4. Februar 1942 auf der Überfahrt von Singapur nach Ceylon an Bord des Schiffes. Sein erster Vorname war in Dankbarkeit dem Ort seiner Geburt gewidmet: der West Point.
-Bild: Vielen Dank an Bill Lee-
Die West Point ankert 1943 in der Bucht vor Melbourne, Australien. Der Tiefgang des Schiffes ist zu groß für ein Anlegen im Hafen der Stadt.
-Bild: U.S. Navy/ National Archives-
Brief des Buckingham Palace an die USS West Point Reunion Association, welcher besonders den Einsatz des Schiffes während der Evakuierung Singapurs hervorhebt. Unterzeichnet von Prince Philip, Königin Elisabeths Mann.
-Vielen Dank an Bill Lee-
Die West Point vor Anker.
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