U.S.S. West Point 1941-1946- Der "graue Geist"
Die sorgenfreien Vergnügungstouren der America in die Karibik waren 1941 bereits zur Routine des seiner eigentlichen Beschäftigung beraubten Atlantikliners geworden.
Diese Routine wurde aber im Mai desselben Jahres jäh unterbrochen und zwar diesmal endgültig.
Der Krieg in Europa und die Spannungen mit Japan weiteten sich immer mehr aus, so dass Präsident Roosevelt beschloss, einen Notfallplan für den möglichen Kriegsfall aufzustellen. Im Zuge dessen wurden auch zahlreiche Schiffe benötigt und so wurde die America in den Dienst der Marine berufen.

Anfang Juni  kam mit der Ausrufung der "unlimited national emergency" die Einberufung der America zur US Navy. Das Schiff musste eine gerade durchgeführte Kreuzfahrt abbrechen und wurde nach einem Zwischenstopp zum Absetzen der Passagiere in New York unverzüglich in seine Erbauerwerft nach Newport News gebracht und dort innerhalb von nur 11 Tagen zum Einsatz für den Truppentransport umgerüstet.
Seite 1: Umbau und erste Missionen
Inhalt

Nach dem Umbau war die America von innen in einigen Bereichen kaum wiederzuerkennen. Die nicht mal ein Jahr alte Innenausstattung wurde fast komplett entfernt, inklusive der meisten Kunstwerke. Die verbliebenen wurden mit Wandplatten verkleidet.
Nachdem die Kabinen und Mannschaftsunterkünfte leergeräumt waren, begann man damit, Module von vierstöckigen Kojen einzubauen. Kabinentrennwände wurden entfernt, um so größere Schlafsäle zu schaffen. Auch die Aufenthaltsräume wurden umfunktioniert. Der Ballsaal allein fasste nun über 500 Schlafgelegenheiten und der Rauchsalon wurde Besprechungsraum und Offiziersmesse. Vor dem geschlossenen Promenadendeck wurden Notschlauchboote montiert.

Nach Abschluss des Umbaus lag die Transportkapazität bei über 5000 Personen. Die grau gestrichene America wurde in USS West Point, nach der berühmten  Militärakademie, umbenannt und bekam die navyinterne Nummer AP-23 zugewiesen. Der Luxusliner war jetzt ein zweckoptimierter, gut funktionierender Transporter mit der Kapazität, eine gesamte Kleinstadt zu fassen.
Zur Bewaffnung gehörten vier Abwehrgeschütze, Flak-Batterien, Maschinengewehre, Torpedoausstoßrohre und eine Entmagnetisierungsanlage gegen Minen.
Am 15. Juni wurde die AP-23 dann offiziell mit einer feierlichen Zeremonie in Dienst gestellt.
Von der America zur WestPoint: Rumpf, Aufbauten, Masten, Fenster, Bullaugen, Rettungsboote... das gesamte Schiff wird Grau übergestrichen.
-Bild: National Archives-
Heikler wurde es dagegen Ende 1941 mit dem ersten Truppentransport der West Point, einer Geheimmission. Die formal neutralen USA schickten die West Point nach Kanada, um dort einer Bitte Großbritanniens nachzukommen, Truppen in die irakische Hafenstadt Basrah zu transportieren. Nach dem die über 5400 britischen und kanadischen Soldaten in Halifax an Bord untergekommen waren, ging es am 10. November im Konvoi mit fünf anderen Truppentransportern (USS Orizaba, USS Mount Vernon, USS Wakefield, USS Leonard Wood und USS Joseph T. Dickman) und Eskorten bei quälend langsamen 14 Knoten (Höchstgeschwindigkeit des langsamsten Truppentransporters, der Orizaba) zunächst in Richtung Brasilien und nach einem Zwischenstop in Rio über den südlichen Atlantik in Richtung Afrika. Als die West Point gerade den Süd- Atlantik in der Nähe Südafrikas durchquerte, kam es jedoch zu dem Ereignis, dass für die USA alles verändern sollte. Der japanische Angriff auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941. Die USA befanden sich jetzt ebenfalls im Krieg mit den Achsenmächten und das hatte auch Auswirkungen auf die Mission der West Point. Das neue Ziel des Truppentransports war nun nicht mehr der Irak, sondern Indien. In Bombay angekommen wurde das Ziel des Transports situationsbedingt nach einigen Tagen Wartezeit allerdings abermals umgeleitet, um die Truppen in dem direkt von Japan bedrohten Singapur zu stärken.
Von dieser Mission an befand sich die USS West Point offiziell im Kriegseinsatz.
Oben links: Besprechungsraum, ehemalige erste Klasse Lounge. Oben mitte: einer von vielen Waschräumen, ehemaliger dritte Klasse Kinderspielraum.Oben rechts:Schlafquatiere in der erste Klasse Ducksuite. links:  Schlafquatiere im ehemaligen erste Klasse Ballsaal. unten: Promenadendeck
-Bilder: Newport News Shipyard Bulletin-
Die West Point läuft nach Kriegsende 1945 mit heimkehrenden Truppen an Bord in New York ein.
-Bild: Offizielles US Navy Foto im Bestand der National Archives-
Die West Point (ganz links) in Formation des Truppenkonvois auf dem Weg in den Irak.
-Bild: National Archives-
U.S.S. West Point

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Oben: Die West Point verlässt mit 464 Diplomaten, Konsularpersonal und Agenten Italiens und Deutschlands New York in Richtung Portugal.
-Bild: Universal Newsreel-

Links: Gestempelter Umschlag der ersten Reise der West Point von New York nach Lissabon. Abgeschickt wurde er von der Militärakademie West Point, dem Namensgeber des Schiffes.
-Bild: Vielen Dank an Bill Lee-
Die West Point auf dem Weg zu ihrer ersten Atlantiküberquerung vor der Kulisse Manhattans.
-Bild: Universal Newsreel-
Ihre erste Reise trat die West Point am 15. Juli 1941 in diplomatischer Mission nach Europa an, um 464 deutsche und italienische Diplomaten, Agenten und Reporter in einem Austausch in das neutrale Portugal zu transportieren. Auf ihrem Rückweg sollte sie amerikanische Diplomaten zurück in die USA bringen. Um Mitternacht des 16 Juli, einen Tag nach dem Auslaufen einer Deadline für die Ausreise von Diplomaten und Agenten der Achsenmächte aus den USA,  war die West Point ablegebereit. Ihr Auslaufen wurde aber blockiert, da in Deutschland und Italien amerikanisches Konsularpersonal und Diplomaten auf dem Weg nach Lissabon als Sicherheitsgarantie festgehalten wurden. Nach Lösung dieses Problems legte die West Point am folgenden Nachmittag ab.
Zu dieser Zeit befanden sich die USA noch nicht im Krieg und so war diese Reise vergleichsweise gefahrlos.
Im August verbrachte das Schiff einige Tage in Portsmouth (Virginia) für weitere Umbaumaßnahmen, um anschließend zusammen mit den beiden ebefalls vorher den United States Lines gehörenden Linern Washington (jetzt USS Mount Vernon) und Manhattan (jetzt USS Wakefield) Flottenmanöver in Küstennähe zu trainieren.
Offiziere und Teile der Crew auf dem Sonnendeck der West Point während der Indienststellungszeremonie am 15. Juni 1941.
-Bild: Newport News Shipyard Bulletin-
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