S.S. America 1946-1964
1958 war ein Schlüsseljahr für die großen Transatlantikliner. In diesem Jahr reisten erstmals mehr Passagiere per Flugzeug über den Altantik, als per Schiff. Mit der erfolgreichen Markteinführung der Boeing 707 für Linienflüge, begann in diesem Jahr das Jet-Zeitalter im Passagierverkehr und traf die großen europäischen und amerikanischen Reedereien mit voller Wucht. Zwar konnte das Flugzeug in puncto Komfort, Erholung, Verpflegung und Kultur nie den Luxuslinern das Wasser reichen, aber der Zeitfaktor war in einer immer schnelllebigeren Welt letztlich das ausschlaggebende Argument für einen unumkehrbaren Trend.
Ab Anfang der 60er geriet so auch die America in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Die Passagierzahlen auf den Atlantikrouten gingen allgemein spürbar zurück, da die neuen Jets zunehmend den Marktanteil der großen Transatlantikliner zurückdrängten. Die Auslastung der America sank 1960 auf 67% und fiel im folgenden Jahr weiter auf 61%. Verschlimmert wurde die Situation noch durch eine Serie von Streiks, die den Fahrplan des Schiffes zunichte machten und Passagiere abschreckten.
Seite 3: Schwierige Zeiten- Der wirtschaftliche Niedergang Anfang der 60er
Um dem allgemeinen Trend durch niedrigere Ticketpreise entgegenzuwirken und so das Schiff wieder voll zu bekommen, vereinigte man 1961 die zweite und die dritte Klasse zur Touristenklasse. Die ehemalige dritte Klasse Lounge wurde in ein Kino umgebaut und alle Passagiere hatten jetzt Zugang zum Swimmingpool.
Die America bei Sturmflut in Bremerhaven.
-Bild: Postkarte-
Aber auch das half nichts. Auf ihrer ersten Atlantiküberquerung mit der neuen zwei Klassen Konfiguration waren lediglich rund 140 erste Klasse und 400 Touristenklasse Passagiere an Bord. Die Reservierungen für die folgenden Auslauftermine waren so niedrig, dass sogar einige Atlantiküberquerungen gestrichen wurden. Streiks und endlose Forderungen der Gewerkschaften verschlimmerten die finanzielle Situation zusätzlich.
Um Abhilfe zu schaffen und die America wieder in die Gewinnzone zu bekommen, wurde ein Kreuzfahrtprogramm aufgestellt für dessen Ermöglichung vom US Kongress extra ein Gesetz geändert wurde, das es dem subventionierten Schiff trotz möglicher Wettbewerbsverzerrung gestattete, in amerikanischen Gewässern Kreuzfahrten durchzuführen.
Die America in Bremerhaven.
1962 erholte sich die Passagierauslastung der America dann plötzlich wieder, teilweise sogar bis auf 100%. Grund dafür war erneut ein Eingreifen der Regierung, diesmal in Form eines Beförderungsvertrages für Militärangehörige nach Europa.
Trotzdem begannen in der Folgezeit die Passagierzahlen wieder zu sinken, da die Anzahl der übrigen zivilen Passagiere weiter zurückging. 
Der September 1963 läutete dann das Ende ein. Streiks, ausgelöst durch Rassismusvorwürfe gegen einen Offizier und Uneinigkeiten innerhalb der Gewerkschaften verhinderten mehrere Abfahrten und ein Ende der Krise war nicht in Sicht, so dass der gesamte Winterfahrplan gestrichen werden musste und die America über Monate untätig aufgelegt wurde.
Im Sommer '64 wurde dann der planmäßige Transatlantikdienst wieder aufgenommen, aber die Passagierzahlen sanken, auch durch erschüttertes Vertrauen, weiter und die Atmosphäre zwischen Crew und Reederei blieb aufgrund der Gewerkschaftssteiks und Unstimmigkeiten angespannt.
In dieser Situation entschieden sich die United States Lines dafür, das unrentable Schiff zu verkaufen. Aussichtsreichster Kaufinteressent war die griechische Chandris Reederei.
Die Verkaufspläne wurden offiziell geheimgehalten und bei Anfragen dementiert, jedoch dauerte es nicht lange, bis erste Gerüchte im Sommer an die Öffentlichkeit sickerten. Zeitungen nannten den Verkauf später das am schlechtesten gehütete Geheimnis des Jahres '64. Als die Gewerkschaften mitbekamen, dass die United States Lines plante, die America an ausländische Interessenten zu verkaufen, war der Aufschrei groß. Es wurde vom Ausverkauf amerikanischer Interessen gesprochen und weitere Streiks angekündigt. Doch die Entscheidung war unumkehrbar.
Am 9. Oktober startete der Liner zu seiner letzten Transatlantikfahrt, das Ende einer Ära.
Ende desselben Monats wurde die America in ihrer Erbauerwerft in Newport News aufgelegt, von wo aus sie bald in eine neue Zukunft starten sollte.

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S.S. America 1946-1964

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weiteres zum Thema:
Die America im Morgennebel New Yorks.
links: America in New York bei strahlendem Sonnenschein. rechts: Die America während eines Streiks1963.
Abschied in Bremerhaven.
-Bild: Postkarte-.
Ankunft in New York.
-Bild: United States Lines Pub. Dep.-.
Abschrift der an Reisebüros gerichteten Ankündigung der Ausmusterung der America. Als Gründe für die Aufgabe des Schiffes werden "ihr Alter und andere Faktoren" genannt, womit die wirklichen Ursachen, zu geringe Auslastung durch stätig sinkende Passagierzahlen und in Relation dazu nicht mehr zu bezahlende, durch starke Gewerkschaften hochgeschraubte Löhne, sowie ein zerüttetes Verhältnis zwischen gewerkschaftlich organisierten Crewmitgliedern und Reederei verschwiegen werden. Die "anderen Faktoren" gegenüber Reisebüros offiziell beim Namen zu nennen wäre allerdings auch einer Bankrotterklärung des eigenen Geschäftsmodells gleichgekommen.
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Das Ende einer Ära und der Beginn einer neuen Karriere: Die America verlässt im November 1964 ihre Erbauerwerft in Newport News ein letztes mal. Ihre Schornsteine tragen bereits das Blau ihrer neuen Reederei, während ihr Rumpf noch immer das Schwarz eines Transatlantikliners trägt. Auch ein neuer Name prangt an ihrem Bug: Australis.
-Bild: fotografiert von Alexander Crosby Brown- Vielen Dank an Bill Lee.-
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