S.S. America 1946-1964
Am 11 November 1946 gab es eine Art Déja Vu. Zum zweiten mal innerhalb dieses Jahrzehnts lief die America in ihrem alten und neuen Heimathafen New York zu ihrer Jungfernfahrt ein und wie sechs Jahre zuvor, wurde ihr auch dieses mal wieder ein kolossaler Empfang bereitet. Eskorten aus Hafenbooten, Schleppern, Militärschiffen, Fähren, Flugzeugen und einem Luftschiff geleiteten sie in den Hafen von New York zu ihrem Anleger am Pier 86 der United States Lines. Sogar die amerikanische Präsidententochter, Margaret Truman, stattete dem Schiff zu ehren des Anlasses einen Besuch ab.
Dann endlich, am 14. November 1946, wurde die America zu dem, für was sie mit ihren schnittigen Linien, ihrem elegantem Luxus und ihrer Schnelligkeit gebaut worden war: Ein Transatlantikliner. Mit knapp über 900 Passagieren an Bord, brach das Schiff zu seiner Jungfernfahrt als Liner in Richtung Europa auf und lief planmäßig in die Häfen von Cobh, Southampton und Le Havre ein. Bis auf extrem schlechtes Wetter auf der Rückreise, welches dem Zeitplan zu schaffen machte, da die Geschwindigkeit reduziert werden musste, lief diese erste Atlantiküberquerung der America in Friedenszeiten erfolgreich und reibungslos. Die beiden fast konkurrenzlos opperierenden Queens der britischen Cunard Line hatten einen kleineren, aber würdigen Rivalen bekommen.
Seite 2: Die America als Transatlantikliner
Die America passte genau in ihre Zeit. Modernes Wohlfühl- Design, komfortable Kabinenausstattungen in allen Klassen, tadelloser und zu gleich unaufdringlicher Crew- Service, sowie eine ausgewogene Kombination aus amerikanischer und europäischer Küche. Zudem machten die zahlreichen Annehmlichkeiten an Bord wie Swimmingpool, Dampfbad, witterungsgeschützte Außendecks, viel natürliches Tageslicht durch großflächige Fensterfronten, wohnzimmerähnliche Aufenthaltsräume, Bibliotheken und großzügige Speisesäle, die Atlantiküberquerung zu einer kurzen Erholungsreise. So stellte sich dann auch schnell finanzieller Erfolg ein und 1948 entschloss sich die United States Lines, die bis dahin nur gecharterte America zurückzukaufen.
Eine typische Anlantiküberquerung der America startete in New York, erreichte nach 5 1/2 Tagen Cobh, im Laufe eines weiteren Tages LeHavre und nach 7 Tagen Southhampton, von wo aus es wieder in Richtung New York ging.
Ab 1951 wurde auch Bremerhaven mit in diese Route aufgenommen (erreicht nach 8 Tagen fahrt). Für die Stadt bedeutete das die Wiederaufnahme einer durch den Krieg verlorengegangenen Tradition. Die America war der zweite Luxusliner (nach der kleinen schwedischen Gripsholm wenige Monate zuvor), der den Liniendienst nach New York von einem deutschen Hafen wieder aufnahm.
links und rechts: Die America läuft zum zweiten mal zu ihrer Jungfernfahrt in New York ein.
Die America bei Nacht in Bremerhaven.
oben: America in Bremerhaven; links darunter: America in Southampton; links mitte: America in der Bucht von Cobh, links unten: America im Solent auf dem Weg nach Southampton, rechts oben: America in Bremerhaven; rechts unten: America verlässt Bremerhaven; unten: America in LeHavre
-Bilder: Postkarten-
Das Leben an Bord der America sollte für die Passagiere so angenehm wie möglich gestaltet werden. Hinter den Kulissen sorgte eine 670- köpfige Mannschaft unter dem Kommando des Kapitäns dafür, dass die schwimmende Kleinstadt stets reibungslos funktionierte. Vom Bäcker bis zum Zahnarzt gab es alles an Bord, was man auch an Land finden konnte. Die tägliche Bordzeitung, Ocean Press, hielt die Passagiere auf dem aktuellen Nachrichtenstand und informierte über Veranstaltungen an Bord, Schiffsposition und Zeitzonenänderungen.
Die Atmosphäre während der Bordunterhaltungsprogramme war oft formal und stets kultiviert, geprägt vom Gesellschaftsbild der 40er und 50er. Eine makellose Abendgarderobe zu Tanzabenden im Ballsaal war eine Selbstverständlichkeit. Gute Laune und gelöste Stimmung verbreiteten Veranstaltungen wie Pferderennen, Bingo oder Shufflebord. In den späten 50ern wurde das Unterhaltungsprogramm für jugendliche stark ausgebaut und auch Kinder wurden stärker ins Geschehen eingebunden, so gab es nachmittags Kinderpartys mit Luftballons und Kuchen im Ballsaal.

Neben dem Transatlantikdienst gehörten Ende der 40er und Anfang der 60er auch Kreuzfahrten in die Karibik zu den Aufgaben der America. Während der 50er waren sie wegen Interessenskonflikten mit erhaltenen Subventionen für den Transatlantikdienst nicht teil des Fahrplans.

Die America war ein sehr störungsarmes Schiff. In ihrer Karriere mit den United States Lines gab es nur einen größeren technischen Defekt, der sie Anfang 1951 für mehrere Monate in ihre Erbauerwerft, nach Newport News, zwang. Die Newport News Shipbuilding & Drydock Company- Werft war während ihrer gesamten Karriere als America für ihre Wartung und Instandhaltung zuständig.

Während der 40er bis Ende der 50er, lief die Karriere der America als Transatlantikliner wirtschaftlich erfolgreich. Ab 1952 bekam sie auf ihrer Route Gesellschaft von der wesentlich größeren und schnelleren United States, welche die America vom Thron der Königin der amerikanischen Handelsmarine ablöste.
Trotz ihres neuen Schwesterschiffes konnte sich die America aber weiterhin behaupten und büßte nichts von ihrer Beliebtheit ein. Sie hatte eine treue Anhängerschaft und blieb das Schiff der Diplomaten, welches mit seiner eleganten, weniger minimalistischen Ausstattung gegenüber dem übermächtigen Schwesterschiff punkten konnte.
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Die America in voller Fahrt.
An Bord der America.
Die America in Bremerhaven mit Pingelturm.
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Mitte der 50er auf dem Atlantik.
-Bild: Vielen Dank an Bill Lee.-
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