S.S. Italis 1978-1980
Ihr erster Einsatz nach der Renovierung führte die Italis nach Westafrika. Die liberische Regierung hatte sie für zwei Millionen Dollar als Hotelschiff während des Anfang Juli 1979 stattfindenden Gipfeltreffens der Afrikanischen Union (OAU) in Monrovia gechartert. Auf dieser Konferenz wurde die Erklärung von Monrovia verabschiedet, die als wegweisend in der Menschenrechtsfrage und Zukunftsentwicklung des Kontinents galt, jedoch wie soviele solcher Erklärungen folgenlos blieb.
Der Grund für die Charter der Italis war, dass die Hauptstadt Liberias zu dieser Zeit nicht über genügend geeignete Hotelkapazitäten für Presse und Konferenzteilnehmer verfügte. So wurde eine möglichst kapazitätsreiche, für westliche Ansprüche genügende, aber dennoch nicht zu teure Lösung gesucht, bei der man sich schließlich für den Chandris Liner entschied. Bei den Bürgern Monrovias war die Italis eine Attraktion. Viele ließen es sich nicht nehmen das Schiff zu besichtigen.
Auf der Rückfahrt nach Europa, bei der eigentlich nur noch die Crew an Bord sein sollte, nutzten einige blinde Passagiere die Gelegenheit der Armut Afrikas zu entkommen. Die meisten von ihnen wurden in Spanien von Bord geschickt.

Ende Juli 1979 wurde dann auch ein Programm aus drei Mittelmeerkreuzfahrten für die Italis aufgestellt. Passagiere wurden mit moderaten Preisen gelockt und neue Postkarten und Broschüren gedruckt. Neuer Heimathafen war Genua in Norditalien. Die drei Kreuzfahrten waren Mittelmeerrundreisen mit Anlaufpunkten in Spanien, Italien, Malta, Ägypten, der Türkei, Israel und Griechenland, die das Schiff erfolgreich absolvierte. Die Passagierkapazität der Kreuzfahrten lag bei etwa 1400 Personen.
Geschönte Werbeaufnahme der Italis. Das tatsächliche Erscheinungsbild des Schiffes mit abgesägtem Schornsteinstumpf, nicht verschobenem Mast und richtiger Lackierung bei Mouseover. Für diese Aufnahme wurde nichtmal die Italis fotografiert und dann retuchiert. In Wahrheit verbirgt sich hinter den Manipulationen die Australis, aufgenommen 1977 im Südpazifik.
-Bild: Chandris Lines-
Bei diesen drei Kreuzfahrten sollte es dann aber auch bleiben. Für den kapazitätsreichen Liner fehlte ein dauerhaftes Nutzungskonzept. Bis wenige Wochen vor Saisonstart 1980 war zwar geplant die Italis wieder für zweiwöchige Kreuzfahrten von Genua aus einzusetzen, aber in letzter Minute gab es eine komplette Umstrukturierung innerhalb der im Mittelmeer operierenden Chandris Flotte. Das Kreuzfahrtprogramm für die Italis wurde daher nicht umgesetzt und auf die Chandris Schiffe Ellinis und Victoria übertragen.
Für diese Entscheidung gab es mehrere Ursachen, hauptsächlich aber die veralteten Dampf-Maschinen der "italienischen Lady", die immense Mengen an Treibstoff verschlangen (ungefähr das doppelte der Ellinis), was auch eine reduzierte Kreuzfahrtgeschwindigkeit nicht ausreichend verhindern konnte. Der hohe Treibstoffverbrauch war einfach zu kostenintensiv und die zweite Ölkrise in diesem Jahr tat ihr übriges. Des Weiteren litt die Italis unter einer außer Balance geratenen  Schiffsschraube. Die durch diesen Defekt entstandenen starken Vibrationen im hinteren Teil des Schiffes beeinträchtigten den Passagierkomfort. Allgemein war dem ganzen Schiff, innerhalb und außerhalb, sein Alter deutlich anzusehen und anzumerken. Die teilweisen Renovierungen waren nur provisorisch und viele Kabinen auf den unteren Decks blieben zustandsbedingt für Passagiere gesperrt.
Eine umfassende, teure Generalüberholung wäre also nötig gewesen, um auf dem umkämpften Mittelmeerkreuzfahrtmarkt mit der Italis konkurrenzfähig zu bleiben.

Es gab auch Pläne in zweistelliger Millionenhöhe innerhalb der Reederei für diese notwendigen Modernisierungen. So war vorgesehen, den Dampfantrieb durch effizientere Dieselmotoren zu ersetzen, die Maschinenleistung und Geschwindigkeit des Schiffes zu reduzieren, die Aufbauten zu erweitern und die Kabinen komplett zu erneuern, neu aufzuteilen und durchgehend auf den Standard neuerer Kreuzfahrtschiffe zu bringen. Das so umgebaute Schiff sollte dann von Miami aus den lukrativen, ständig wachsenden amerikanischen Kreuzfahrtmarkt bedienen. Zu dieser Zeit (um 1980) befand sich Chandris gerade mitten in der Umstrukturierung mit dem Ende der Linienverbindungen komplett hin zum Kreuzfahrtmarkt. Wenige Jahre später wurden die Chandris Fantasy Cruises gegründet und die Britanis übernahm die Kreuzfahrten aus Miami, für welche die ehemalige Australis in Überlegung war.

Dazu Chandris' Vizepräsident Kaparis : "Mein Plan war das Schiff komplett zu überholen und umzubauen. Dieses Vorhaben hätte 18 Millionen US$ gekostet. Aber Mr. Chandris sagte nein. Ich schätze ihn sehr, aber glaube, dass das zu dieser Zeit eine Fehlentscheidung war."
Diese Investitionspläne wurden folglich nie realisiert und das Schiff wieder in der Eleusis Bay aufgelegt.

Im Sommer 1980 wurde die Italis erneut verkauft.

*: Zu der Höhe des Kaufpreises gibt es unterschiedliche Angaben. Einige Quellen berichten lediglich von 5 Millionen. Die Zahl 6,5 Millionen stammt von Dimitrios Kaparis, dem Vizepräsidenten der Chandris Lines. Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass nur ein Teil des Kaufpreises der Venture Cruise Lines an Chandris angezahlt wurde und der Rest später folgen sollte. Demnach währe der Gewinn für Chandris deutlich geringer gewesen.

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weiteres zum Thema:
Die Italis läuft während einer ihrer Mittelmeerkreuzfahrten in den Hafen von Valetta (Malta) ein.
-Bild: Vie et Mort de L'America-
Der Ablauf der Mittelmeerkreuzfahrten der Italis.
-Chandris Lines-
Die Katastrophe des Venture Cruise Lines- Relaunches 1978 hätte das Ende der America sein können und es wäre wahrlich kein ruhmreiches gewesen. Mit ihrer letzten Passagierkarriere als Italis, der "italienischen Lady", schaffte die in die Jahre gekommene ex-America zwar keinen wirklichen Neuanfang mehr, aber wenigstens ein versöhnliches Ende ihrer langen, erfolgreichen Laufbahn.

Die Vorraussetzungen für die America bei der Zwangsversteigerung am 28. August 1978 waren düster. Der Startpreis lag bei nur 150.000 Dollar und die angereisten Schrotthändler aus Fernost waren sich ihres Sieges schon sicher. Die Gebote steigerten sich langsam bis 650.000 Dollar. Bei 1 Million gab der Auktionator dann den Zuschlag, aber der verkaufenden Bank war dieses Gebot zu niedrig. So rief ein Bieter: "eine Million und zehntausend Dollar!". Die Bank akzeptierte und kein anderer der Anwesenden war bereit mehr zu bieten. So schlug der Hammer dreimal und die America hatte einen neuen Besitzer. Und wer war der glückliche Höchstbieter? Dimitrios Kaparis, der Vizepräsident der Chandris Lines!
Nichtnur hatte die griechische Reederei damit ihr langjähriges Flagschiff vor dem Abwracken bewahrt, sondern auch noch einen unglaublichen Profit erzielt. Hatte sie für den Verkauf der ehemaligen Australis im Frühling desselben Jahres noch 6,5* Millionen US$ erhalten, so ergab sich durch das gezahlte Höchstgebot der Auktion von 1.010.000 Dollar ein Gewinn von rund 5,5* Millionen für die Chandris Lines.

Anfang September 1978 lief die America dann mit einer Minimalbesatzung still und fast unbeachtet aus New York in Richtung Europa aus. Lange vorbei die Zeiten ihrer Anfangsjahre, als sie umjubelt und gesäumt von dutzenden Hafenbooten ihre Reisen antrat. Es sollte ein Abschied für immer von ihrem ehemalilgen Heimathafen sein, der ihr in den letzten Monaten so viel Demütigung gebracht hatte.
In Griechenland angekommen, wurde die America in der Eleusis Bay aufgelegt. Zu diesem Zeitpunkt war ihre Zukunft mehr als ungewiss. Würde sie von Chandris doch noch zur Verschrottung nach Taiwan weiterverkauft werden, was aufgrund des niedrigen Kaufpreises profitabel gewesen wäre?

Im Winter dann die Überraschung. Die Chandris Reederei gab dem Schiff eine neue Chance: die ehemalige Australis wurde geringfügig renoviert, repariert und umgebaut, um sie wieder für den Passagiertransport einsetzbar zu machen. Dabei wurde auch der vordere Dummy- Schornstein entfernt, um dem Schiff ein moderneres Profil zu geben. Der Rumpf behielt das dunkelblau der kurzen Venture Cruise Karriere. Der neue Name des Schiffes war aber nicht etwa wie vorher Australis, sondern entsprechend ihrer neuen Bestimmung Italis, was soviel wie "italienische Lady" bedeutete. Die Italis sollte für Mittelmeerkreuzfahrten eingesetzt werden.

Die von der Venture Cruise Lines vorgenommenen Änderungen wie neue Bodenbeläge, andere Farbschemen und Strukturtapeten in Innenräumen blieben größtenteils erhalten. Auch das kleine Casino das 1978 eingerichtet wurde, blieb auf der Italis in Benutzung. Ebenso blieben die Möbel und Deckliegestühle, welche 1978 eilig zusammengekauft wurden, an Bord und wurden nicht wieder vollständig durch die Originale ersetzt, die Chandris damals vor dem Verkauf der Austalis von Bord genommen hatte.

Für kurze Zeit war die ehemalige Australis wieder das größte Schiff, sowie Flagschiff der Chandris Flotte und wie zuvor das einzige, das keinen weißgestrichenen Rumpf hatte.
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