S.S. Australis 1964-1978- Die "australische Lady"
Erste Reise
Ihre Jungfernfahrt begann die Australis am 21 August 1965. Vor dem Auslaufen wurde das neue Schiff von Angehörigen der königlichen Familie und Vertretern der Regierung in einer feierlichen Zeremonie in der griechischen Handelmarine willkommen geheißen.
Von Piraeus aus ging es anschließend zu zahlreichen Häfen im (östlichen) Mittelmeer, wo die restlichen Passagiere zustiegen. Mit 2.130 Passagieren an Bord ging es dann durch den Suezkanal. Von dort aus dann mit Zwischenstops in Aden (Jemen) und Colombo (Sri Lanka) und Problemen mit der neuen Klimaanlage nach Australien und Neuseeland. Das erste mal seit dem zweiten Weltkrieg als West Point lief das Schiff am 6. September in einem australischen Hafen ein, dem Hafen von Fremantle. Von dort aus ging es entlang der Südküste nach Melbourne (11. September) und Sydney (15. September). Von Sydney aus führte die Route nach Neuseeland mit den Anlaufhäfen Auckland und Wellington. Auf dem Rückweg nach Europa durch die Südsee machte das Schiff halt auf den Fidji- Inseln und Tahiti, bevor es das erste mal in den Farben seiner neuen Reederei den Panamakanal passierte, um anschließend in Port Everglades (Florida) zu ankern. Von dort aus ging es über den Atlantik nach Southampton.

Seite 2: Leben an Bord, Ablauf der Weltumrundungen, Kreuzfahrten
Ablauf der Reisen
Heimathafen der Australis war ab der zweiten Weltreise Southampton. Von dort aus starteten die Weltumrundungen mit weiteren Passagieraufnahmen in Europa (unterschiedliche Häfen, aber meistens Rotterdam, Bremerhaven, Neapel und Piraeus). Durch das Mittelmeer ging es über den Suezkanal, ins rote Meer; dann folgte die Überquerung des indischen Ozeans bis nach Australien und Neuseeland. Dieser Teil der Reise wurde als "southbound", also "südwärts", bezeichnet und war die eigentliche Immigrationsroute. Auf diesem Reiseabschnitt war die Australis für gewöhnlich bis auf den letzten Platz mit Passagieren belegt.
Die Strecke von Southampton bis nach Sydney dauerte bei einer Geschwindigkeit von 22 Knoten etwa einen Monat.

Von Ozeanien aus ging es dann durch die Südsee und den Pazifik in den Panamakanal. Dann durch die Karibik und über den Atlantik zurück nach Europa. Dieser Teil der Reise wurde dementsprechend als "northbound", also "nordwärts", bezeichnet. Um das Schiff auch auf dem "Rückweg" vollzubekommen, wurden besonders attraktive Anlaufhäfen mit in die Route integriert und die Preise gleichzeitig niedrig gehalten. Passagiere waren hauptsächlich Australier und Neuseeländer die geschäftlich oder privat in die USA oder nach Europa reisen wollten, Weltreisende oder Immigranten, die nach ein paar Jahren Aufenthalt in Australien das Heimweh packte.
Für die Strecke von Australien nach Southhampton brauchte die Australis ebenfalls etwa einen Monat.

Während der Nahostkrise von 1967 bis 1976 stand der Suezkanal nicht zur Verfügung. Die Weltumrundung wurde während dieser Zeit mit einer Umrundung Afrikas durchgeführt.

In 60 Tagen um die Welt. Die Hauptrouten der Australis auf ihren Weltumrundungen. Die dunkelrote Linie, Suez Kanal befahrbar: Southampton, Bremerhaven, Rotterdam, Neapel, Piraeus, Port Said, Aden, Colombo, Fremantle, Melbourne, Sydney, Wellington, (Auckland), Fidschi Inseln, Tahiti, (Acapulco), Balboa, Cristobal, (Fort Lauderdale), Southampton. Hellrote Linie, Ausweichroute um die Südspitze Afrikas: Southhampton, Bremerhaven, Rotterdam, Kanarische Inseln, Kapstadt, Durban, Fremante,dann weiter wie oben.
Der hellrote Abstecher im Pazifik zeigt die Route mit dem Zwischenstop in Acapulco, Mexico. Von Zeit zu Zeit gab es weitere Routenänderungen durch wechselnde Anlaufhäfen.
Die Australis in Southampton.
Leben an Bord
Das Leben an Bord der Australis auf Weltumrundung war sehr entspannt. Die tägliche Routine und der Stress des Arbeits- und Alltagslebens wich einer erholsamen 24 Stunden Freizeitgestaltung. Man konnte an Bord komplett die Zeit vergessen und nur die tägliche Bordzeitung "Seascape" erinnerte an alles das, was sich außerhalb der 220 Meter Schiff abspielte. Die Unterhaltungs- und Freizeitgestaltungsmöglichkeiten an Bord waren vielfältig. Es gab die vielen Lounges, die zum verweilen einluden, die Swimmingpools, die Sportmöglichkeiten an Deck wie Volleyball, Joggen, Tontaubenschießen, die Bibliothek, sowie das Animations- und Unterhaltungsprogramm inklusive Tischtennis- und Schachtounieren, eigener Schiffsband, Tanzabenden und Shows,  die hauptsächlich von den Passagieren selbst gestaltet wurden. Selbst eine Wahl zur "Miss Australis" gehörte zum festen Progamm vieler Reisen.
Ein Höhepunkt jeder Weltumrundung war die Äquatorüberquerung mit der traditionsreichen Äquatortaufe. Dabei erschien König Neptun mit seinem Gefolge an Bord des Schiffes und Taufte alle Passagiere, die zum ersten mal mit dem Schiff den Äquator überquerten. Die Teilnahme war selbstverständlich freiwillig, aber König Neptuns Hofstaat verstand es auch, zunächst unwillige Passagiere von der Taufe auf sehr spezielle Art und Weise zu überzeugen. Vor der Taufe mussten die zu taufenden Passagiere eine Reihe von "Prüfungen" bestehen, bei denen man selten trocken oder sauber blieb. Am Ende der Zeremonie bekam man eine Taufurkunde. Dieser Spaß lockte regelmäßig tausende Passagiere auf das Lidodeck.
Natürlich gab es an Bord der Australis auch die Möglichkeit, so oft, so ausgiebig und sehr kostengünstig zu feiern wie man wollte und die Bars waren immer gut Besucht.
Es blieb genug Freiraum die Überfahrt nach den persönlichen Vorlieben zu gestalten, ob Party oder Entspannung blieb jedem selbst überlassen.
Für die Immigranten an Bord wurden Sprachkurse in Englisch, sowie Landeskundeinformationsveranstaltungen angeboten.

Kreuzfahrten
Neben dem Liniendienst zwischen Europa und Australien, war die Australis auch auf zahlreichen Kreuzfahrten im Mittelmeer und in der Südsee unterwegs. Diese "south to the sun"- Kreuzfahrten wurden vor allem in den Wintermonaten zwischen den Weltumrundungen angeboten und lockten mit interessanten Routen und Ankerpunkten viele Passagiere auf das Schiff.  Während der Kreuzfahrten lag die Passagierkapazität nicht wie beim Liniendienst bei 2200, sondern nur bei 1500 Personen. Das gebotene Unterhaltungsprogramm an Bord ähnelte sehr dem des Liniendienstes, war jedoch umfangreicher.

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R.H.M.S. Australis 1964-1978

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weiteres zum Thema:
Links: Tenderboottransfer zum Haven.
Oben: Die Australis ankert im Hafen von Casablanca. Passagiere begutachten die Handtaschen eines fliegenden Händers.
Aktivitäten an Bord der Austalis. Oberstes Foto zeigt Äquatortaufe.
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