S.S. Australis 1964-1978- Die "australische Lady"
1964 waren die Chandris Lines, eine griechische Großreederei, gerade dabei, ihren erfolgreichen Liniendienst zwischen Europa und Australien auszubauen. Das Geschäft warf kräftige Gewinne ab und die hohe Nachfrage sorgte für überfüllte Schiffe. Auf der Suche nach einem geeigneten Schiff zum Ausbau ihrer Flotte kam die Nachricht, dass die renommierte America zum Verkauf stand wie gerufen. In einer geheimgehaltenen Aktion, um die Gewerkschaften nicht auf den Plan zu rufen, besuchte der technische Direktor der Chandris Lines, Demetrios Kaparis, im Sommer '64 das Schiff und war nach einer den ganzen Tag andauernden Führung an Bord beeindruckt. Der Liner passte genau in das Anforderungsprofil und ließe sich problemlos für die neue Aufgabe umbauen.
Seite 1: Die Australis der Chandris Lines
Inhalt


Am 16. November 1964 wurde die America dann an die Chandris Lines verkauft, nachdem die US Behörden 11 Tage zuvor dem Deal zugestimmt hatten. Für den Verkauf gab es aber die Auflage, dass das Schiff für den Zeitraum der nächsten fünf Jahre im Kriegsfall den USA im Rahmen der NATO (zu der auch Griechenland gehörte) als Truppentransporter zur Verfügung gestellt werden musste. Der Kaufpreis betrug 6,5 Million US$. Noch an Ort und Stelle, in Newport News, wurde die typische United States Lines- Lackierung der Schornsteine mit einem kräftigen Blau und schwarzer Kappe übermalt, ebenso wie der alte Name America, der durch den neuen Namen Australis ersetzt wurde. So machte sich die Australis mit schwarzem America- Rumpf  auf in Richtung Griechenland.
Das Ende einer Epoche und der Beginn eines neuen Karriereabschnitts für das Schiff.

Australis, was so viel bedeutet wie australische Lady, lies ihr neues Einsatzgebiet schon erahnen: Australien. Die Australis war von den Chandris Lines gekauft worden, um Immigranten von Europa nach Australien zu befördern. Dieses Geschäft war sehr lukrativ, da die australische Regierung die Immigration subventionierte, was für ausgebuchte Schiffe auf dieser Route sorgte, sofern man, wie Chandris, den dazu notwendigen Beförderungsvertrag besaß.

Das Schiff war das mit Abstand größte der Chandris Flotte und von diesem Zeitpunkt an das Flagschiff der Reederei. Die Größe der ex-America passte genau in die Vorstellungen von Mr. Chandris, dem Eigentümer der Reederei: "Wir brauchen ein Schiff das fähig ist, über 2000 Passagiere zu befördern".

So wurde die Australis, um der neuen Aufgabe gerecht zu werden, in der ersten Jahreshälfte 1965 umfassend umgebaut. Die Passagierkapazität wurde mehr als verdoppelt, von 1000 auf 2300 Passagiere. Diese gewaltige Steigerung erreichte man durch eine Unterteilungen von Kabinen, zusätzliche Betten in bestehenden Kabinen und neuen Kabinen in Ladeschächten und ehemaligen Aufenthaltsräumen der zweiten Klasse, die jetzt nicht mehr benötigt wurden, da die neue Australis ein Ein-Klassen-Schiff werden sollte.
Zu diesem Zeitpunkt war sie damit das größte Ein-Klassen- Passagierschiff der Welt.
Die schwarze Australis fährt in den Hafen von Piraeus ein. Sie ist das bis dato größte Passagierschiff, das je dort vor Anker ging.
-Bilder: Hellenic National Archive-
Die Australis kurz nach ihrem Umbau 1965.
-Bild: Chandris Lines-
Die Australis in Sydney.
Die von der Australis beförderten Immigranten kamen hauptsächlich aus England, Holland, Deutschland, Griechenland, Jugoslavien und Italien. Die Subventionen der australischen Regierung, von denen Chandris durch einen entsprechenden Beförderungsvertrag (ab 1967 wurde dieser Vertrag von der australischen Regierung sogar exklusiv an Chandris vergeben) profitierte, sorgten dafür, dass Immigranten für die komplette Überfahrt von Europa nach Australien nicht mehr als 10 Pfund bezahlen mussten. Außerdem garantierte er den Immigranten freie Rückreise nach einem Mindestaufenthalt von 2 Jahren in Australien. Viele andere Reisende an Bord waren neidisch auf die Immigranten, welche fast umsonst nach Down Under kamen, während sie selber den vollen Preis bezahlen mussten. Umgangssprachlich wurden vor allem die englischen Immigranten deshalb auch"10 Pound Poms" genannt.
Aber nicht nur Immigranten nach Australien und Neuseeland wurden befördert. Neben dieser Hauptaufgabe wurden auch normalpreisliche Linienverbindungen und Weltreisen angeboten. Passagiere konnten dabei entweder die ganze Reise an Bord der Australis verbringen, oder an einem beliebigen Anlaufhafen der Reise aussteigen um innerhalb der nächsten zwei Jahre, in denen das Weltreiseticket gültig war, mit einem beliebigen anderen Chandris Liner die Reise fortsetzen.
Diese Mehrfachfunktion bescherte der Australis immer einen größtmöglichen Mix an Passagieren, Reisegründen und Nationalitäten auf ihren Weltumrundungen. Zwischen den knapp 9 wöchigen Weltumrundungen gab es zudem vor allem in der Wintersaison oft die Gelegenheit, die Australis als Kreuzfahrtschiff einzusetzen. Vielfältiger kann es an Bord eines Schiffes kaum zugehen.

R.H.M.S. Australis 1964-1978

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Die Australis 1967 mit weißem Rumpf.
-Bild: Chandris Lines-
Luftbild Mitte der 60er.
-Bild: Chandris Lines-
Die Australis in Fort Lauderdale, Florida.
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