S.S. American Star - Vom hoffnungsvollen Plan zum totalen Desaster
Über die Jahre waren auf Höhe der Wasserlinie auch am Bug immer stärkere Zerstörungen zu beobachten. Vor allem im Bereich der ehemaligen Maschinen- und Kesselräume, aber auch im Bereich der ehemaligen Laderäume.
2005 stellte sich die Situation folgendermaßen dar:

Seite 7: Ein Ende auf Raten- Der Zusammenbruch des Bugs
Der unterspülte Bug 2005 bei Ebbe aus verschiedenen Blickwinkeln. Verbliebende Stützpunkte:
1: Die intakte Bugspitze
2: Das letzte verbliebene Stück tragende Bordwand auf Höhe des Dummy-Schornsteins
3: Einer der beiden Träger zwischen Maschinen- und Kesselraum
Maschinen- und vorderer Kesselraum waren komplett verschwunden und die oberen Decks mit samt Schornstein hingen auf einer Länge von über 20 Metern über dem Wasser, nur gestützt von zwei Stahlträgern, die sich an der ehemaligen Trennwand zwischen Maschinen- und vorderem Kesselraum befanden.
Auf der Seeseite war die Rumpfbeplankung auf Höhe der Wasserlinie bis auf an der Bugspitze und auf Höhe einer Reihe von Tanks komplett verschwunden und bot der zerstörerischen Kraft der Wellen so Zugriff auf dahinterliegende Strukturen, die bereits großflächig ausgewaschen waren, was einen Blick längst durch das verliebene Schiff ermöglichte. Im vorderen Bereich waren die Laderäume auf einer Länge von über 30 Metern an Steuerbord- und Backbordseite komplett aufgerissen und boten vom Strand her so ebenfalls einen Blick quer durch das Schiff auf den dahinter liegenden Ozean.
Die American Star war also komplett durchlöchert. Nur noch wenige tragende Strukturen waren intakt und in der Lage, das Gewicht von mehreren tausend Tonnen abzustützen. Ein bizarrer Anblick. Das sich das Schiff in diesem Zustand überhaupt noch aufrecht halten konnte und trotz der nur punktuellen Abstützung keine strukturellen Verformungen zeigte, lag an seiner extrem robusten Konstruktion ohne Dehnungsfugen (siehe dazu auch Seite 3 über den Bruch in der Mitte) und den für militärische Zwecke während seines Baus verstärkten Decks.
Dann, im November 2005, siegte die Schwerkraft schließlich doch. Vermutlich ausgelöst durch das Einknicken der wenigen Meter verbliebender Bordwand und dem Wegbrechen einer der beiden Stützen zwischen ehemaligem Maschinen- und vorderem Kesselraum während eines Sturms, kippte die American Star in Richtung Meer. Ähnlich wie beim Heck machten die unterhalb der Wasserlinie liegenden Decks diese Bewegung nur teilweise mit, da sie nurnoch an wenigen Stellen mit dem über der Wasserlinie befindlichen Schiffsteil verbunden waren. So kam es zum Aufbrechen der Bordwand an der Strand- bzw. Steuerbordseite.
Für einige Wochen hielt sich der sterbende Riese in dieser neuen Position, aber dann gaben die oberen Decks im hinteren Bereich mit samt dem Schornstein, denen schon vor dem umkippen fast jegliche Basis fehlte, nach, brachen ab und versanken.
Im Laufe der nächsten zwei Jahre nahm sich die Brandung dann Stück für Stück immer mehr der ehemaligen America, die nun durch die Schräglage auf dem Präsentierteller lag. Erst weitere Teile des strandseitigen Promenadendecks, dann die Decks unterhalb des entfernten Dummy-Schornsteins, was schließlich auch den verbleibenden Stumpf zum abbrechen brachte. Dann den Backbord Brückenflügel, den Hauptmast, die restliche Brücke und schließlich 2007 auch noch die letzten Aufbauten oberhalb des Oberdecks, mit den Resten des Rauchsalons.
Die Neigung zur See hin wurde im Laufe dieses Prozesses immer größer und so verschwanden auch langsam die Lademasten im Meer, gefolgt vom durch mehrere Brüche geschwächten Rumpf der verbliebenen Bugspitze. Seit 2008 hält sich nur noch ein Stück der Bordwand auf höhe des Ankers über Wasser, das von Jahr zu Jahr kleiner wird.

Nur noch Erinnerungen bleiben- Das Wrack fast komplett unter der Wasserlinie

Heute ist fast nichts mehr des einst stolzen Schiffes oberhalb der Wasserlinie zu sehen. Bei Ebbe ragt ein letzter Rest aus dem Wasser, der bald auch verschwunden sein dürfte.
Aber ist das tatsächlich das Ende des großen Transatlantikliners? Noch immer gibt es Menschen, die sich für dieses Schiff interessieren und noch immer halten viele ihre persönlichen Erinnerungen an den Dampfer lebendig. Die Geschichte der America geht weiter. Das letzte Kapitel ist noch nicht geschrieben ...
Inhalt

S.S. American Star 1994-heute

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Die American Star Anfang 2007: Der Rumpf auf Höhe der angeschweißten Leiter ist durch die Schräglage aufgebrochen, das Promenadendeck größtenteil im Meer versunken und die Brücke eingestürzt. Ende des Jahres sollten nurnoch ein Lademast und ein Stück Bordwand aus dem Wasser ragen.
Die American Star im November 2011: Die letzten Reste des einst mächtigen Schiffs stämmen sich in einem aussichtslosen Kampf gegen die unbahmherzige Brandung. Mit viel Fantasie lassen sich noch die Buchstaben "TAR" auf der Bordwand erkennen.
Ein Denkmal für die American Star. Dieses Monument steht nicht etwa auf Fuerteventura, sondern auf Teneriffa an der Uferpromenade des kleinen Ortes Médano. Es handelt sich um die Propellernabe einer der beiden Schiffsschrauben. Die Geschichte hinter gerade diesem Aufstellungsort ist unbekannt, aber eine Verbindung des Schiffes zu Teneriffa existiert. In den 60ern und 70ern war die Inselhauptstadt Santa Cruz oft Anlaufhaven der Australis. Vielleicht sah man von dem kleinen Fischerdorf aus den auslaufenden Liner auf Kreuzfahrt oder Weltumrundung regelmäßig in die unendlichen Weiten des Ozeans entschwinden?
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