S.S. American Star - Vom hoffnungsvollen Plan zum totalen Desaster
Nach nur rund zwei Jahren war 1996 vom Heck oberhalb der Wasserlinie fast nichts mehr zu sehen, wohingegen der Bug über ein Jahrzehnt der Brandung trotzte. Die Bordwand des Hecks Riss bereits nach wenigen Wochen auf, obwohl sie natürlich überwiegend die gleiche Strukturdicke hatte, wie die des Bugtteils (mit Ausnahme des extra verstärkten Bugspitze), bei dem dieses erst Jahre später passierte. Warum also diese extrem unterschiedlichen Zerstörungsabläufe der beiden Schiffshälften?

Nach dem Auseinanderbrechen der American Star wurde das Heck durch starken Seegang parallel zum Strand auf Grund gedrückt. Diese Position bot den Wellen eine viel stärkere Angriffsfläche, als die nicht parallel zum Strand verlaufende Lage des Bugs.
Brandungswellen laufen immer parallel auf einen Strand auf, egal welche Windrichtung vorherrscht. So trafen große Brecher das Heck fast immer mit voller Breitseite und sehr hohem Druck.
Der Bug hingegen leitete durch seine Lage und Form einen Teil der Aufprallenergie seitlich ab, so dass die Wellen mit ihrer zerstörerischen Kraft dort nicht dieselben Deformationen der Bordwand hervorriefen.

Seite 6: Warum kollabierte das Heck so schnell, der Bug jedoch erst nach über 10 Jahren?
Das Heck unmittelbar nach der Strandung.
-Bild: TVE Canarias/ Vie et Mort de l'America -
Hinzu kommt auch noch die um über ein Deck tiefere Wasserlage des Hecks im Vergleich zum Bug, welche der Brandung auch im Bereich der oberen Decks größere Angriffsflächen bot und strukturell schwächere Bereiche, wie das hintere offene Hauptdeck oder das Promenadendeck erreichbar machte.
Das einstürzende geschlossene Promenadendeck auf Höhe des Ballsaales.
Die frontale Aufprallenergie der Wellen bewirkte nur wenige Wochen nach der Strandung starke Deformationen der Bordwand des Hecks und damit verbunden bald auch klaffende Löcher im Bereich des A-Decks, des Hauptdecks und des Oberdecks. Diese Schäden entstanden beim Bug erst Jahre später und beschränkten sich dort auf den Bereich des B-Decks, direkt auf Höhe der Wasserlinie.
Mit der Zerstörung der schützenden, strukturell wichtigen Bordwand auf großer Fläche über mehrere Decks war der inneren Zerstörung der Schiffsstruktur kein Hindernis mehr gesetzt.
Bald war das Heck auf der Seeseite so stark abgetragen und zerstört, dass die Wellen auf der Strandseite des Schiffes aus den Bullaugen schlugen und somit die weit fortgeschrittene innere Aushöhlung und Zerstörung verdeutlichten.

Die strukturellen Schäden in den tragenden unteren Decks bewirkten nun, dass diese langsam durch die fortschreitende Zerstörung tragender Strukturen und der schützenden Bordwand dem Gewicht der überliegenden Decks nachgaben und das Heck so immer weiter in eine der Seeseite zugeneigte Schräglage brachten, welche den Wellen erlaubte, immer größere Bereiche des Hecks zu zerstören. Wie eine mehrstöckige Hochzeitstorte, bei der man mit dem Löffel immer an derselben Stelle unten ein Stück wegnimmt und langsam alles zusammensackt, immer schiefer wird und schließlich abkippt.
Vom Strand her bekam man den Eindruck, dass das gesamte Heck einfach zunehmende Schlagseite einwickelte und dann auf die Seite rollte, aber dieses auf die Seite kippen war ein Prozess, der sich nur auf die Decks oberhalb des B-Decks beschränkte, durch die stückweise Abtragung und Zerstörung der oberhalb der Wasserlinie befindlichen Strukturen von der Seeseite her.
Der unterhalb der Wasserlinie liegende Teil des Hecks blieb in seiner ursprünglichen Position und ist noch heute vorhanden.

Brandungswellen treffen den Heckteil (weiß) des Schiffes mit voller Wucht und werden nicht abgelenkt, während  dies beim Bugteil durch Lage und Form begünstigt wurde.
Kleines Bild unten rechts: Die zum Strand weisende Lage es Bugteils.
Das einstürzende Heckteil 1996 vom Bugteil aus fotografiert. Deutlich zu sehen ist, wie sich die Brandung von der Seeseite weit in die Struktur gefressen hat und das Schiff von unten her aushöhlt. Die Backbordseite ist oberhalb der Wasserlinie nichtmehr existent. Die oberen Decks hängen verbogen in der Luft. Die intakte Bordwand auf der Strandseite täuscht über diesen dramatischen Zustand hinweg. Das im Bild zu sehende holzbeplankte Deck ist das schmale Sonnendeck, auf dem sich früher die Rettungsboote befanden.
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S.S. American Star 1994-heute

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Mouseover für Markierungen: Die American Star nach einigen Monaten Strandung. Zu sehen sind tiefe Löcher in der Bordwand des Hecks (rot). Dort wo die Bordwand noch standhält ist sie teilweise unter dem Druck der Brandung verformt, so dass die senkrechten Spanten der Schiffskonstruktion hervortreten (gelb) . Am Bugteil sind diese Schäden nicht vorhanden.
-Bild: Generaldirektion der Handelsmarine, Gran Canaria-
Diese Aufnahme von 2006 zeigt das Heck vollkommen unterwasser. Zu sehen ist der dunkle Umriss der unteren Decks, welche nicht von der Brandung abgetragen wurden. Das Mouseover zeigt den Plan des D-Decks der America im Verglech mit dem sichtbaren Schatten.
Stark vereinfachte Animation der Wirkung der Brandung auf das Heck im Querschnitt.
Das Heck wird mit voller Breitseite von einer Welle getroffen.
-Bild: Generaldirektion der Handelsmarine, Gran Canaria-
1996: Das stark beschädigte Heck neigte sich oberhalb der Wasserlinie immer mehr, da von der Seeseite frontal auftreffende Brecher immer mehr tragende Strukturen wegrissen.
Oben: Die Strandansicht der auf dem Bild links zu sehenden Situation 1996. Die Wellen schlagen aus den Bullaugen der unteren Decks. Den Grund dafür sieht man auf dem Bild links: Die Struktur des Schiffes hinter der intakten Bordwand ist bereits größtenteils ausgehöhlt.
Darunter: 1999, gleiche Fotoposition wie auf dem Bild links: Das Heck ist bis auf die unter der Wasserlinie liegenden Decks abgetragen.
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