S.S. American Star - Vom hoffnungsvollen Plan zum totalen Desaster
Von Griechenland nach Thailand- Die erste und letzte Reise der American Star beginnt

Für den Transfer der American Star nach Thailand wurde von der beauftragten Schleppereederei der ukrainische Schlepper Neftegaz 67 ausgewählt. Der zwischen Schlepperreederei und der Chao Phraya Developement & Transport Co. ausgehandelte Preis für den Schleppvorgang lag bei 920.000 US$.
Die Route des Schleppverbandes sollte vom Mittelmeer, in den Atlantik, um die Südspitze Afrikas herum, in den indischen Ozean bis nach Phuket in Thailand führen, bei einer geplanten Dauer von etwa 100 Tagen mit Zwischenstops unter anderem in Dakar und auf Rèunion.
Die Neftegaz 67 erreichte die Eleusis Bay eine Woche vor Weihnachten 1993. Am Heiligabend waren die Vorbereitungen für die lange Reise abgeschlossen und  der Schleppverband machte sich auf den Weg.

Bei schlechtem Wetter gab es aber bald ein Problem: Die American Star brach immer wieder seitlich aus und überholte den Schlepper teilweise sogar. Um weitere Schwierigkeiten zu vermeiden, wurde der Schleppverband zurück in die Eleusis Bay geordert. Nach einigen Beratungen wurde entschieden, einen Treibanker am Heck des Schiffes zu installieren, welcher abbremsend wirken sollte und die Trägheit erhöhte. Nachdem sich das Wetter wieder gebessert hatte, begann nun am 31. Dezember 1993 endgültig die geplante Überführung der American Star nach Thailand.

Seite 2: Das Unglück nimmt seinen Lauf
Die American Star wird von einem griechischen Schlepper in der Eleusis Bay positioniert. Links neben dem Bug der American Star zu sehen ist das Heck der Neftegaz 67.
-Bild: Stamos C. Ioannou-
Das Unglück

Nach gut zwei erfolgreichen Wochen auf See, geriet der Schleppverband auf Höhe der Kanarischen Inseln in einen schweren Orkan der Windstärke 12. Am 15. Januar brach die Schlepptrosse und die American Star trieb manövrierunfähig im schweren Sturm; eine äußerst gefährliche Lage für ein Schiff, da die Position zu den Wellen so nicht mehr korrigiert werden kann und ein unkontrolliertes abdriften im schlimmsten Fall in einer Havarie enden würde. Mit Mühen gelang es der Schlepperbesatzung gut 24 Stunden später eine Notfallschlepptrosse zu vertäuen, aber auch diese hielt dem starken Seegang nicht stand. Um in dieser Notsituation wenigstens Verbindung zwischen Schlepper und Schiff zu bewahren, wurden am 17. Januar abermals mehrere Männer an Bord der American Star geschickt, um in einem weiteren gefährlichen Rettungsversuch zwei Taue als Verbindung zwischen Schiff und Schlepper zu installieren.

Fotomontage: Die American Star in schwerer See vor den Kanarischen Inseln.
Auch diese Aktion scheiterte und so blieb nichts anderes übrig, als die Männer von Bord des manövrierunfähigen Ozeanriesen über einen zur Hilfe gerufenen S.A.R. Helicopter der Seenotrettung zu evakuieren. Ein inzwischen zur Unterstützung geeilter Schlepper der spanischen Küstenwache, die Punta Mayor, konnte unter den katastrophalen Wetterbedingungen auch nicht mehr ausrichten als die Neftegaz. Als es dunkel wurde entschied man sich, aufgrund der widrigen Umstände, die Bergungsaktion erst am nächsten Morgen fortzusetzen und die American Star notgedrungen über Nacht treiben zu lassen.
Nach einer stürmischen Nacht hilflos auf See, strandete die American Star am Morgen des 18. Januar an einem abgelegenen Strand an der Westküste Fuerteventuras. Als die Schlepper den Ozeanriesen fanden, konnten sie nur noch feststellen, dass sie nichts mehr ausrichten konnten. In dem Moment der Strandung war die American Star verloren.
In dieser Situation drehte die Neftegaz dann plötzlich mit Volldampf Richtung Marokko ab.
Eine Bergung durch Freischleppen nach der Strandung, wie sie schon bei ruhigem Wetter äußerst riskant und mit durchwachsenen Erfolgsaussichten schwierig und kompliziert gewesen wäre, wurde durch den anhaltend starken Orkan und Seegang unmöglich. Alles was man machen konnte war zusehen, wie der Rumpf der American Star langsam und stöhnend der Belastung nachgab.

Weitere 48 Stunden später brach das Schiff in der Mitte komplett auseinander und wurde später als Totalverlust eingestuft. Nachdem die America seit dem Ende ihrer Passagierkarriere in den 70ern ihrem Schicksal öfter entkommen war als eine Katze mit sieben Leben, war dieses Los nun endgültig.

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S.S. American Star 1994-heute

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Die verhängnisvolle Reise nach Thailand beginnt. Die American Star an der langen Schlepptrosse der Neftegaz 67.
-Bilder: Stamos C. Ioannou-
Das Wrack der American Star wenige Stunden nach dem Bruch.
-Bild: TVE Canarias/ Vie et Mort de l'America -
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