S.S. American Star - Vom hoffnungsvollen Plan zum totalen Desaster
Für die ehemalige America, einst Stolz der United States Lines und Flagschiff der Chandris Lines als Australis,  die im letzten Jahrzehnt ihrer langen Geschichte vom Glück entgültig verlassen schien, war die Situation Anfang der neunziger Jahre so gut wie hoffnungslos. Es schien nur noch eine Frage der Zeit bis zu ihrer Verschrottung.

In diese Situation kam dann im Oktober 1992 das überraschende Kaufangebot der Chao Phraya Developement & Transport Company of Thailand. Das Schiff wechselte für 2 Millionen Dollar den Besitzer. Überraschend nicht wegen dem Kaufangebot oder dem Preis, sondern wegen den Plänen, welche die neuen Besitzer für das Schiff hatten: Die America als schwimmendes Luxushotel vor der Küste Thailands. Das tragische Schicksal nicht erahnend das bevorstand, schien dies endlich der Aufbruch des alten Atlantikliners in eine bessere Zukunft zu sein.

Der vielversprechende Plan sah vor, die America wieder in ihren ursprünglichen Zustand zu bringen und sie dann als schwimmendes 5- Sterne Luxushotel in Thailand, vor Phuket einzusetzen. Die neuen Besitzer hatten zuvor weltweit nach einem passenden klassischen Schiff für ihr Projekt gesucht, konnten aber kein geeignetes finden, da die meisten in Frage kommenden, noch existierenden Liner unzählige Male bis zur Unkenntlichkeit umgebaut worden waren, besonders im Inneren und so für das Projekt ausschieden.
Besonders wertvoll für die neuen Besitzer war daher der fast unveränderte Originalzustand der Innenausstattung, welcher der America noch immer einen unvergleichlichen Charme von BigBand, Swing und Hollywood gab und den Ausschlag zum Kauf für das Projekt brachte.
Die Lounges, Bars, und Restaurants im Art Deco Stil der späten 30er sollten daher auch in diesem Originalzustand erhalten bleiben und restauriert werden. Die neue Kabinenaufteilung des schwimmenden Luxushotels sollte  800 Gästen in geräumigen 2-Personen Suiten allen nötigen Komfort bieten.
Neu entstehen sollten ein Businesszentrum, sowie ein Shoppingcenter und Versammlungsräume.
Der Maschinenraum, die Kesselräume und andere technische Bereiche sollten restauriert und als Museum und Ausbildungsstätte für Ingeneure erhalten werden.

Seite 1: Planung und Vorbereitungen in Griechenland
Inhalt

Die wieder hochseetüchtig gemachte American Star kurz vor dem Beginn ihrer verhängnisvollen Reise.
-Bild: Stamos C. Ioannou-
American Star- Ein neuer Name für einen neuen alten Traum

Der neue Name des Schiffes sollte American Star werden. Auch hier spiegelte sich die Idee der Wiederherstellung und Anlehnung des neuen Hotelschiffprojektes an die glanzvolle Vergangenheit der America wieder, das dem Schiff nach einem jahrzehntelangen Dornröschenschlaf neues Leben einhauchen sollte.

Vorbereitungen für das Schleppen nach Thailand

Nach Gutachten und Besichtigungen wurde die American Star 1993 für über zwei Monate in den Trockendock der Hellenic Shipyards in Skaramangkas gebracht, um sie dort wieder hochseetauglich zu machen. Dieser befand sich in direkter Nähe ihres Aufliegeplatzes, ebenfalls in der Eleusis Bay. Im Trockendock wurden zunächst die über ein Jahrzehnt gewachsenen, beachtlichen  Ablagerungen am Schiffsrumpf durch Sandstrahlen entfernt. Der Rumpf wurde dann einer Ultraschalluntersuchung unterzogen, mit dem Ergebnis, dass er trotz der langen Aufliegezeit in sehr gutem Zustand war.

Die American Star im Trockendock von Skaramangkas. Der Unterwasserbereich des Rumpfes ist mit einer dicken Schicht aus Muscheln und Algen bewachsen.
-Bilder: Stamos C. Ioannou-
Des Weiteren wurden sämtliche Tanks überprüft und inspiziert, sowie gut 200 Opferanoden am Schiffsrumpf angebracht, um ihn vor weiterer Korrosion zu schützen. Speziell für den Schleppvorgang nach Thailand wurden die beiden Schiffsschrauben demontiert und auf neu angefertigten Plattformen an Deck gelagert, um den Wasserwiederstand auf der geplanten Überführung nach Thailand zu minimieren und die Manövrierbarkeit zu verbessern. Das Schiffsruder wurde in der Mittelposition fixiert und die Bullaugenklappen sorgfältig verschlossen. Der für die Notstrandung 1988 durchtrennte und so verlorengegangene Backbordanker wurde durch einen in etwa passenden, provisorischen ersetzt. Der Schiffsrumpf bekam in Teilen einen neuen Schutzanstrich. Oberhalb der Wasserlinie blieb aber größtenteils das durch die lange Aufliegezeit mit Schleifspuren und Witterungsschäden versehene Italis- Blau erhalten.
Die Brücke wurde für den Schleppvorgang mit einer gut sichtbaren Signalfarbe versehen und der Schornstein bekam einen roten America- Anstrich. Zudem wurden vier provisorische Leitern von außen an den Schiffsrumpf geschweißt, die bis auf das Promenadendeck reichten, um der Mannschaft des Schleppers den Zugang an Bord zu erleichtern. Außerdem wurden provisorische Reparaturen an besonders beschädigten Strukturen, wie dem geschlossenen Promenadendeck vorgenommen, um diese zu sichern.
Die gesamten Vorbereitungen für die Überführung nach Thailand kosteten 1,5 Millionen US$. In Thailand sollte dann nach den Vorbereitungen in Griechenland der eigentliche Umbau durchgeführt werden.
S.S. American Star 1994-heute

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Der Ballsaal auf dem Promenadendeck in seinem kaum veränderten Originaldesign der späten 30er Jahre.
-Bild: Vie et Mort de l'America-
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