S.S. Alferdoss 1984-1992
1984 wechselte das Schiff abermals den Besitzer und wurde an Silver Moon Ferries verkauft, hinter der ein syrischer Reeder stand, welcher die Noga in Alferdoss umbenannte, was auf arabisch soviel wie Paradies bedeutet.

Geplant war die Alferdoss als schwimmendes Hotel in Tripolis, der zweit größten Stadt des Libanon einzusetzen. Aber aufgrund des eskalierenden Bürgerkrieges im Land und der anhaltend instabilen Situation in der gesamten Region, erschien es zu riskant den Plan zu verwirklichen und so blieb das Schiff untätig in Griechenland vor Anker.

Der Zustand der Alferdoss verschlechterte sich zusehends und hatte mit dem neuen Namen nicht mehr viel gemein. Die Teakholzdecks litten unter der intensiven Sonneneinstrahlung und den Hinterlassenschaften der Seevögel, die Kacheln bröckelten vom Swimmingpool und Lido-Deck, das übermalte X des verbliebenen Schornsteins hatte sich backbordseitig in ein Y verwandelt und die Farbe platze an vielen Stellen ab, um dem Rost neue Angriffsflächen zu bieten.

Die Alferdoss dümpelt in der Eleusis Bay vor sich hin.
-Bild: Vie et Mort de l'America-
Auch das innere des Schiffes war vom Verfall nicht verschont geblieben. Die Decken bröckelten und an vielen Stellen sickerte Regenwasser in die Aufenthaltsräume und Kabinen, ruinierte die Teppichböden und Polstermöbel und gefährdete die wertvollen Kunstwerke der einstigen America.

Ein Angebot als Gefängnisschiff in Texas zu dienen wurde ausgeschlagen. "Was wäre das für ein Schicksal für ein einst so stolzes Schiff?" bemerkte der syrische Eigentümer in einem Interview zu seiner Entscheidung.

In einer kalten Novembernacht des Jahres 1988 dann die Katastrophe: Ein stark korrodiertes und zusätzlich eingefrohrenes Bilgenrohr im Maschinenraum hielt dem Druck nicht mehr stand und platzte, woraufhin die Alferdoss begann mit Wasser vollzulaufen. Als das Problem am nächsten Morgen bemerkt wurde, hatte sie bereits gefährliche Schlagseite entwickelt und drohte zu sinken. Eilig wurde der Steuerbordanker gehoben und der verkeilte und festgefrorene Backbordanker durchtrennt, das Schiff in den flachen Uferbereich vor der Stadt Aspropyrgos geschleppt und dort auf Grund gesetzt, um es zu stabilisieren. Die Aktion gelang noch rechtzeitig und so lag die Alferdoss mehrere Wochen auf Grund gesunken (im Heckbereich reichte das Wasser bis an das B-Deck) im schlammigen Ufer in Sichtweite der Küstenstraße.
Das eingedrungene, stagnierende  Wasser ruinierte die unteren Decks. Es hatte sich zusammen mit Öl und schlammigen Ölrückständen aus Maschinenraum und Tanks verteilt und dafür gesorgt, dass der Maschinenraum, einige Mannschaftsquartiere, Kabinen auf dem hinteren C- Deck, das Hallenbad, das Dampfbad, der Fitnessraum und Lager von einem schwarz-braunen, schmierigen Film überzogen wurden.

Nach einigen Wochen in denen die Alferdoss leergepumpt und notdürftig abgedichtet wurde, nahm sie wieder ihren ursprünglichen, einsamen Liegeplatz in der Eleusis Bay ein. Der Vorfall hinterlies auch an der Bordwand sichtbare Spuren, an denen man fortan den Wasserstand während der mehrwöchigen Strandung ablesen konnte.
Der Plan eines Hotelschiffes geriet nun neben der politischen Lage auch durch den Schiffszustand immer mehr ins Hintertreffen.

Während Schrotthändler vor dem Vorfall durch den hohen Kaufpreis von 7 Millionen Dollar erfolgreich fern gehalten wurden, war dieser Preis nun nicht mehr zu halten.
Ende der achtziger erfolgte so der Verkauf an einen Schrotthändler, welcher eine Anzahlung von einer Million Dollar machte und eine weitere Million später folgen lassen wollte. Es wurde damit begonnen, die Davits und Rettungsboote von Bord zu schaffen. Während der Abbrucharbeiten auf den äußeren Decks wurde äußerst grob vorgegangen (da keine weitere Verwendung mehr geplant war) und keine Rücksicht auf die Reeling oder die Teakholzdecks genommen, welche dem eingesetzten Gabelstapler nichts entgegenzusetzen hatten.

Als der Schrotthändler aufgrund von finanziellen Engpässen plötzlich von der Alferdoss abließ, da die ausstehende Million nicht gezahlt werden konnte, ging sie wieder in den Besitz von Silver Moon Ferries über. Die Gesellschaft war jetzt um eine Million reicher, zum Preis eines Rettungsbootlosen, teilweise verwüsteten Schiffes, das weiter an Wert eingebüßt hatte, aber seinem Ende gerade noch einmal entkommen war.

Ein letzter Hoffnungsschimmer im Sommer 1991, die Alferdoss könnte als schwimmendes Hotel in Triest (Italien) dienen, zerschlug sich aufgrund ihres desolaten Zustandes schon nach der ersten Besichtigung.
Und sogar Schrotthändler zögerten nun, das Schiff zu erwerben. Anfang der neunziger gab es einen weiteren Interessenten, der das Schiff in der Türkei (in Aliaga) verschrotten wollte, aber aufgrund des Zustandes der Alferdoss das Risiko eines Sinkens während des Schleppvorgangs nicht eingehen wollte. Das Schiff brachte dem syrischen Reeder immer mehr Verluste ein und so suchte er umso dringender nach einer Lösung.
Das Schicksal der einst stolzen America schien besiegelt. Wer außer lokalen Schrotthändlern sollte sich für ein Schiff in diesem Zustand überhaupt noch interessieren?

Umso überraschender dann das Angebot der Chao Phraya Developement & Transport Company of Thailand 1992.

Der syrische Eigentümer über sein Schiff: "Ich habe es Alferdoss genannt, weil ich wollte, dass es das Paradies wird und nicht die Hölle. "
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In schlechtem Zustand: links das Lidodeck mit Swimmingpool, rechts das Promenadendeck.
-Bilder: Vie et Mort de l'America-
Im Inneren der Alferdoss: Große Lounge, Cocktailbar und Rauchsalon im Zwielicht.
Die Alferdoss in der Eleusis Bay. Am Rumpf erkennbar die Wasserstandmarken von der Strandung 1988.
-Bild: Vie et Mort de l'America-
Das rettungsbootlose, mit Trümmern übersähte Sonnendeck 1992.
-Bild: Vie et Mort de l'America-
Die Alferdoss dümpelt in der Eleusis Bay vor sich hin. Vor dem Rest des vorderen Dummy Schornsteins ist immer noch der Italis- Schriftzug erkennbar.
-Bild: Vie et Mort de l'America-
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