Politik
America:

Der Duquesne Spionagering

Während der kurzen Karriere der America 1940-1941, vor dem Umbau in den Truppentransporter West Point, war das Schiff Basis für zwei deutsche Spione, welche im Rahmen des so genannten Duquesne Spionagerings operierten. Beide waren getarnt als Besatzungsmitglieder (einer von ihren Fleischer, der andere Bäcker) und sollten militärisch relevante Informationen an die Nazi- Behörden übermitteln.
Von besonderer Bedeutung waren dabei das Beobachten und weitergeben von Kriegsschiffsbewegungen vor den amerikanischen Küsten und Berichte über den Status des militärischen Verteidigungs- und Befestigungsausbaus des Panama Kanals.

Beide wurden später vom FBI enttarnt und zusammen mit anderen Spionen des Spionagerings zu Gefängnisstrafen verurteilt.

Der Duquesne Spionagering war ein Spionageprogramm des Nazi- Regimes, um "Kriegswichtige Informationen" über die Vereinigten Staaten zu sammeln. Dazu wurden über 30 Spione in Schlüsselpositionen in den USA verteilt. Sie arbeiteten getarnt auf Schiffen, Flugzeugen oder auch in Nobelrestaurants. Neben dem sammeln und weiterleiten von Informationen, gehörten auch Sabotageaktionen zu ihrem Aufgabenbereich.
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Australis:

Das Obristen Regime

Am 18 Mai 1971 wurde die Australis durch einen politischen "black ban"- Streik von Hafengewerkschaften daran gehindert, Sydney zu verlassen. Das Auslaufen verzögerte sich um fast einen Tag. Hintergrund dafür war, dass die Gewerkschaften damit gegen die in Griechenland herrschende Militärdiktatur, dem so genannten Obristen-Regime, protestieren wollten. Diese Aktion hatte zwar keine offizielle Reaktion der griechischen Machthaber zur folge, verunsicherte aber viele Passagiere, so dass der Streik teilweise den angedachten Zweck erfüllte.

Während der Zeit des Militärregimes war es verboten den weltberühmten "Zorba's Dance" von
Mikis Theodorakis in Griechenland zu spielen. Der Komponist, der sich politisch für die linksgerichtete Opposition engagierte, wurde zeitweise verhaftet und ging später ins Exil. Die als Souvenirs an Bord der Australis verkauften Single- Schallplatten mit dem beliebten Sirtaki Tanzlied mussten aus dem Angebot genommen werden. Gespielt wurde das Lied aber trotz des Verbots in Griechenland an Bord auf hoher See.
Das Lied ist in der Studioversion auf Youtube in Deutschland blockiert, aber die Filmszene mit Anthony Quinn, durch welche es weltweit berühmt wurde, kann dort angesehen werden:
http://www.youtube.com/watch?v=4UV6HVMRmdk (externer Link)
Die zwei der Spionage überführten Besatzungsmitglieder der America (roter Kreis links unten und rechts). Der rote Kreis links oben zeigt einen dritten Spion des Rings, welcher Kopien von Blaupausen der America anfertigte, auf denen unter anderem geplante Geschützpositionen und Geschützausrichtungen an Deck des Schiffes eingezeichnet waren.
Das Bild rechts zeigt ihn bei seiner Überführung durch eine versteckte Kamera, wie er einem Doppelagenten (durch welchen der deutsche Spionagering aufflog) Pläne der America zeigt und erläutert.
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Hintergrundinformationen dazu:

Von 1967 bis 1974 wurde Griechenland von einer Militärdiktatur regiert, die durch einen Putsch an die Macht kam. Politische Betätigung und freie Meinungsäußerung wurden massiv eingeschränkt. Das Regime wurde von den meisten westlichen NATO- verbündeten Griechenlands, allen voran den USA, aus strategischen Gründen geduldet. Studentenproteste Ende 1973 leiteten das Ende des Regimes ein, das durch die Weigerung der griechischen Armee einen Krieg gegen die Türkei im Rahmen der eskalierten Zypernfrage zu riskieren im Sommer 74 zusammenbrach. Griechenland fand zur Demokratie zurück.

Auf die sich nun stellende Frage wie die Chandris Reederei sich in diesen Rahmenbedingungen allgemein positionierte, gibt der Geschäftsführer der Chandris Shipping Co. in Australien, J. L. Arlaud, folgende Antwort:

"Wir sind ein privates Unternehmen und sind vollständig unabhängig in unserer Firmenpolitik. Wir müssen uns vor niemandem rechtfertigen und sind frei von politischem Druck, von welcher Seite auch immer."
("We are a private company and are completely independent in our policy. We have to answer to no one for our actions and are free from any political pressure what soever".)
aus der Zeitung "The Age", 24. 5. 1967 Seite 7


Gescheitere Immigration

Die Geschichte beginnt 1973 in Las Palmas. Zwei Fischer, der Bulgare Ilia Pener und der Rumäne Vidrei Siciu deserierten von zwei Hochseetrawlern und schlichen sich als blinde Passagiere an Bord der im Hafen liegenden Australis. Die beiden hatten nicht viel zu verlieren und hofften auf ein besseres Leben jenseits des damals Europa und die Welt teilenden eisernen Vorhangs. Ihr Plan war simpel: Einmal an Bord der Australis würden sie in Sicherheit sein und dann in einem von dem Schiff angelaufenen Land Asyl beantragen.
Doch die Realität sah anders aus. Die beiden wurden durch ihre Aktion Staatenlos und kein Land auf der Route der Australis war bereit, sie aufzunehmen. Ihnen war es nicht einmal mehr erlaubt Land zu betreten. So wurde die Australis zwangsweise zu ihrer neuen Heimat für eine lange Zeit. Als die Australis zu ihrer jährlichen Überholung für zwei Wochen im Trockendock von Rotterdam lag, wurde ihnen angeboten, das Schiff für die Verweildauer mit der wenig beglückenden Aussicht zu verlassen, in Abschiebehaft an Land zu kommen, was sie dankend ablehnten.
Für Arbeit, die die beiden an Bord der Australis leisteten, durften sie aufgrund von Regularien nicht einmal bezahlt werden. Ein Sprecher der Chandris Reederei äußerte sich wenig zuversichtlich und betonte lakonisch, das die beiden theoretisch so lange an Bord bleiben müssten, bis die Australis verschrottet würde oder sie stürben. Nichtmal ihre Heimatländer Bulgarien und Rumänien wollten die beiden zurück haben. Die diplomatischen Vertretungen teilten mit, die ehemaligen Landsleute seien nicht mehr Willkommen. Diese Nachricht allerdings war den Dauergästen der Australis ziemlich egal. In ihr altes Leben wollten sie auf gar keinen Fall zurück.
Der Ausgang dieser Geschichte ist leider nicht bekannt. Sicher ist nur, dass die beiden mindestens dreimal mit dem Schiff die Welt umrundet haben. Wer Informationen zu dem Schicksal der beiden hat ist herzlich eingeladen sie zu teilen.
Souvenir Schallplatte mit dem Zorba's Dance auf der A- Seite, verkauft an Bord der Australis 1966.
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