Kulinarische Spezialitäten in exquisiter Atmosphäre- Speisen in der ersten Klasse an Bord der America
Speisen an Bord der America war vor allem in der ersten Klasse ein soziales Erlebnis. Es drehte sich nicht nur darum, den Hunger zu stillen und die Köstlichkeiten zu genießen, sondern war Teil des gesellschaftlichen Establishments. Es ging darum Bekanntschaften zu machen und auch ein bischen darum, zu zeigen wer man ist und was man hat. Kurz: sehen und gesehen werden. Das gesellschaftliche Leben an Bord gruppierte sich zu großen Teilen um die Essens- und Trinkkultur und genau für dieses elaborierte Umfeld standen die Transatlantikliner Mitte des 20. Jahrhunderts wie kein anderes Fortbewegungsmittel. Für nicht wenige Reisende war genau dieses kultivierte miteinander auch der Grund, den Linern im beginnenden Jet- Zeitalter noch die Treue zu halten. Auf Schiffen wie der America hatte sich eine regelrechte Ozeanlinerkultur entwickelt. Luxus und festliche Auftritte waren essentiel in dieser Welt fern der Heimat, in einem schwimmenden Palast, der oft das Prestige und die Werte der ihn besitzenden Nation verkörperte.
Unter dieser Prämisse ließ sich auch die America nicht lumpen.
Kaltes Buffet im erste Klasse Speisesaal: vorne links Herefort-Rind aus Wales, rechts daneben Malossol Beluga Kaviar aus dem Asowschen Meer, direkt darüber Rinderzunge unter aufgeschnittenen Elberta Pfirsichen. Rechts unten ein Smithfield Schinken unter Champignons und kandierten Früchten, darüber ein gerösteter Truthahn garniert mit Orangenscheiben und kandierten Maraschino-Kirschen. In der Mitte ein Frühlingssalat, links daneben in den Gewässern vor Maine gefangener Hummer, rechts daneben mit Flaggen verzierter Lammschinken. Dahinter ein viergeteiltes Käserad aus der Schweiz und ein Obstkorb.
Die Dame im Hintergrund mit dem roten Kleid links neben der Pfau-Eisskulptur ist Eva Gabor (Schauspielerin), die Schwester der Hollywooddiva Zsa Zsa Gabor.
Los ging es morgens um 7. Frühstück konnte entweder im Speisesaal, oder aber auch auf der Kabine eingenommen werden. Neben den üblichen Backwaren standen vor allem so extravagante Kreationen wie heißes Butteromlett garniert mit Shrimps, oder auch persische Melonen hoch im Kurs.
Um 11 Uhr vormittags gab es als kleine Zwischenmalzeit eine Consommé mit Kräckern.
Punkt zwölf ging es direkt weiter zum Lunch. Im Speisesaal servierten die Kellner zunächst gerösteten Toast. Die Speisen konnten dann aus dem Menü ausgewählt werden. Beliebt war zum Beispiel eine kräftige Bouillabaisse, an den Tisch gebracht in einer großen Kupferterine mit Stövchen, verfeinert mit Hummer, Shrimps und Gemüse.
Oben links: Frühstück auf der Kabine, darunter links: Cocktails in der Cocktailbar. Rechts: Frühstückskarte.
Nach dem Lunch ging man dann zur Entspannung oft zurück auf die Kabine, wo um diese Zeit bei vielen Passagieren, formale Umschläge unter der Tür hindurch flatterten. Diese beeinhalteten oft Einladungen zu Cocktail- und Dinnerpartys, entweder privat oder für alle Passagiere in den Aufenthaltsräumen.
Aber zunächst war der Nachmittagstee an der Reihe. Gegen vier Uhr wurden dazu meist süße Törtchen in der Lounge gereicht und das Orchester spielte auf, um dem ganzen einen entsprechenden Rahmen zu verleihen.

Danach war es langsam an der Zeit sich auf eine der privaten Cocktailpartys vorzubereiten (sofern man denn zu einer eingeladen wurde), von denen es meist mehrere im Laufe einer Reise gab. Einige dieser Partys wurden vom Kapitän gegeben, andere von Offizieren, aber die meisten von den Passagieren selbst. Sie gehörten zu den gesellschaftlichen Höhepunkten einer jeden Schiffsreise. Dinnerjacket und beste manieren waren hier unerlässliche Tugenden. Vieles an diesen Partys folgte einem festen, immer gleichen Ritual: Zunächst ging man zur Kabine des Einladenden. Dort wartete ein Stuard und begrüßte einen persönlich mit Namen und klopfte für einen an die Kabinentür. Der Gastgeber beantwortete die Tür, der Stuart kündigte den Gast an, welcher daraufhin eingeladen wurde den Raum zu betreten. Ein Vorstellungsritual folgte, bei dem Gast und Gastgeber sich formal vorgestellt wurden. Ob sie sich bereits kannten oder nicht, spielte dabei keine Rolle. Erst danach begann das Servieren von Cocktails und kleinen Appetithäppchen in erlauchter Runde.
Um 19 Uhr ging es dann weiter zum Abendessen, in dessen Rahmen es an einigen Tischen des Speisesaals auch kleine Dinnerpartys mit Tischkarten gab und ein Platz am Kapitänstisch immer äußerst begehrt war.
Zur Dinnertime, gerade an Gala- Abenden, trumpften die Köche der America dann mit allem auf, was sie zu bieten hatten. Abendessen an Bord erinnerte fast ein wenig an prunkvolles Dinieren zu Hofe längst vergangener Zeiten. Meterhoch drappierte Lebensmittelpyramiden der edelsten Köstlichkeiten, eine Herrschar von Kellnern und Obern, feinste Maßanzüge und edles Tafelsilber sorgten für eine glanzvolle Atmosphäre. Eingerahmt wurde das ganze vom auf dem Musikbalkon spielenden Orchester und dem Speisesaal selbst mit seinen über 100 Quadratmetern schimmernder Wandreliefs in der Höhe über zwei Decks verteilt.
Für Passagiere denen das ganze dann doch ein bisschen zu viel wurde, gab es aber auch immer die Möglichkeit sich einen banalen Hamburger zu bestellen und die Rotbarschsuppe einfach Rotbarschsuppe sein zu lassen.
Nach dem Dinner genehmigte man sich dann vielleicht noch einen türkischen Kaffee oder einen Napoleon Brandy, ganz nach persönlichem belieben.

Danach zog die illustre Gesellschaft weiter zur After Dinner Party oder zu einem Tanzabend im Ballsaal. Auch hier wieder persönliche Begrüßungen durch die Stuards und Livemusik des Orchesters. Getanzt wurde auf dem kreisrunden Edelholzparkett meistens Walzer oder Foxtrott. Neben den Gästen waren auch viele der Offiziere der America anwesend. Serviert wurden allerlei Köstlichkeiten der naheliegenden Cocktaillounge, auf welche man bei Belieben auch ganz ausweichen konnte.
Auch nach dem Enden dieser Veranstaltungen war ein kulinarischer Tag an Bord noch nicht zwangsweise beendet. Um Mitternacht erschien ein Snackbuffet im Ballsaal zu den ruhigen Bassklängen des Orchesters, mit denen man langsam den Tag ausklingen lassen konnte.
Jetzt bleibt nurnoch die Frage zu klären woher denn das ganze Essen an Bord stammte, um solch hohe Standards gewährleisten zu können? 90% der Speisen und Getränke kamen in New York an Bord, aber diese Zahl täuscht. Ein Großteil der Lebensmittel wurde vorher aus Europa, vorzugsweise auf Frachtschiffen der United States Lines Reederei, importiert und nur in New York verladen. Grund für dieses Kuriosum waren US-Vorschriften, welche diesen Umweg nötig machten. Die restlichen 10 Prozent waren Spezialitäten, die direkt frisch in den jeweiligen Anlaufhäfen in Europa an Bord kamen. Unter ihnen Irish Bacon in Cobh, Westphälischer Schinken in Bremerhaven und Dover Sole (Seezunge) in Southampton.

Private Cocktailparty in einer Cabin de Luxe der America.
Nachmittagstee wurde bei gutem Wetter auch an Deck serviert.
Oben: Gala Dinner Menü.
Unten: Die Qual der Wahl beim Bestellen im erste Klasse Speisesaal der America.
Auszug aus der Weinkarte: Rote Bordeaux- Weine mit Jahrgängen und Preisen.
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Kapitänsdinner im erste Klasse Speisesaal. Einen Platz am Tisch erhielt man durch persönliche Einladung des Kapitäns. Dieser Abend war für gewöhnlich der culinarische Höhepunkt der Reise, auf dem die Köche ihr ganzes können unter Beweis stellten.
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