Die America- ein Kostengrab?
Die Vorzeichen für den Bau und die Indienststellung der America fielen in kein gutes Licht.
Die Leviathan (die einstige Vaterland der HAPAG), Flagschiff der United States Lines, war seinerzeit der größte Geldvernichter der Reederei. Schon Atlantiküberquerungen auf denen das Schiff einen Verlust kleiner als 75.000 Dollar einfuhr, galten als Erfolg.
Nachdem die United States Lines den unrentablen, alternden Superliner an einen Schrotthändler mit dem Versprechen an die Regierung losgeworden war, einen neuen Liner (die America) in Auftrag zu geben, wurde alles Versucht, um diese Auftragsvergabe und den Bau hinauszuzögern, da man von Seiten der Reederei keine Notwendigkeit für einen neuen Liner sah.
Erst mit Androhungen massiver Geldstrafen seitens der US Regierung wurde nach mehrjähriger Hinhaltetaktik mit dem Bau der America begonnen. Während der Entstehung stiegen die Kosten für das neue Schiff über das Niveau des vorher errechneten Preises und als dann auch noch der 2. Weltkrieg ausbrach und der planmäßige Transatlantikdienst der America nicht aufgenommen werden konnte, baten die United States Lines die am Bau und einem erheblichen Teil der Kosten beteiligte staatliche Maritime Comission vom Kauf zurücktreten zu dürfen und das Schiff nicht annehmen zu müssen, was allerdings ohne Erfolg blieb. So bezahlten die US Lines 2,396,629 Dollar sofort und weitere 7,328,140 Dollar über eine Hypothek. Die Maritime Comission übernahm den Rest (7,861,709 Dollar) der Baukosten in Gesamthöhe von 17,586,478 Dollar.
Diese Informationen drangen an die Presse, woraufhin die America Schlagzeilen als ungewolltes Schiff und als sprichwörtlicher "weißer Elefant" machte. Ein äußerst unrühmlicher Start für einen neuen Liner. Umso mehr musste man sich seitens der Reederei nun bemühen, die Situation nicht noch weiter zu verschlimmern und setzte ab diesem Zeitpunkt alles daran, das Bild der Öffentlichkeit über die America wieder positiv zu stimmen. Höhepunkt dieser Publicitykampagne war die von den United States Lines durchorganisierte Fahrt von Newport News nach New York vor ihrer Jungfernfahrt mit pompöser Einfahrt in den New Yorker Hafen und viel eingeladener Prominenz, in der ganzen Stadt verteilten Fähnchen und einem großen Fest. Die Strategie ging auf und schon bald waren die Negativschlagzeilen in der Öffentlichkeit vergessen.

Reedereiintern änderte sich aber nichts an der Tatsache, dass die America für das größte Loch in den Bilanzen sorgte. Während ihrer kurzen Kreuzfahrtepisode vor dem Kriegseintritt der USA fuhr das Schiff insgesamt Verluste von über 1.200.000 Dollar ein. Die Kreuzfahrten waren selbst bei voller Ausbuchung unterhalb der Kapazitätsgrenze des Schiffes, da Kabinen der Touristenklasse ungenutzt blieben und so brachten sie im Schnitt nur 76.000 Dollar ein. Dem gegenüber standen Ausgaben von 120.000 Dollar für Löhne, Essen, Treibstoff, Instandhaltungskosten, Hafengebühren und weitere Ausgaben pro Fahrt. Durch die massiven Subventionen der US Regierung für die America wurden diese Verluste zwar teilweise ausgeglichen, dennoch blieb unter dem Strich ein rotes Minus.

In diesem Zusammenhang ist es auch zu Verstehen, dass bei den United States Lines keine Trauerstimmung aufkam, als die America zum Militärdienst als Truppentransporter West Point eingezogen wurde. Nicht nur das die Reederei ihren größten Verlustfaktor loswurde, sie erhielt auch noch hohe Entschädigungszahlungen und Gehaltserhöhungen von 10 % für leitende Angestellte.

Nach Kriegsende war die America in Besitz der staatlichen Maritime Comission und wurde durch aufwendige Restaurierungen wieder in ihren Ursprünglichen Zustand gebracht. Auch die Kosten für die Wiederherstellung der America als Luxusliner stiegen in ungeahnte Höhen, am Ende auf über 7 Millionen Dollar und so konnte kein Käufer gefunden werden, der bereit war zu investieren. Die United States Lines waren ebenfalls nicht an einem Rückkauf interessiert. Erst nach weitreichenden Zusagen der Maritime Comission einen Teil der Kosten zu tragen, wenn die US Lines im Gegenzug einen erheblichen Teil der Netto- Gewinne an die Maritime Comission auszahlen und nach einer Erhöhung von staatlichen Subventionen waren die United States Lines bereit, einen Chartervertrag zu unterschreiben.
Die nun folgenden Jahre sollten für die America die profitabelsten ihrer Karriere als Flagschiff der United States Lines werden. In den späten 40ern kaufte die Reederei aufgrund des Erfolges das Schiff zurück. Für die Zeit der späten 40er und weite Teile der 50er war die America eines der profitabelsten Passagierschiffe, welches die United States Lines jemals betrieb.
Diese Erfolgsphase hielt bis in die späten 50er an. Sinkende Passagierzahlen brachten das subventionierte Schiff aber besonders ab 1958 immer weiter in die Verlustzone. Bei gleichzeitig steigenden Gehältern durch starke Gewerkschaften (bis zu 75% höher als auf den Konkurrenzschiffen der Cunard Reederei, Queen Mary und Queen Elizabeth) und regelmäßigen Streiks verschlimmerte sich die Situation zusehends, bis nichts anderes übrig blieb, als die America zu Verkaufen.

Mit dieser Bilanz teilt die America das Schicksal vieler Transatlantikliner, deren Geschichten sich aus finanzieller Sicht oft verblüffend ähneln. Fast keiner von den prestigeträchtigen Aushängeschildern ihrer Nationen erwirtschaftete gegen Ende der  Transatlantiklinerära dauerhaft solide Gewinne. Die meisten waren ohne massive Subventionen nicht überlebensfähig.

Mehr zur finanziellen Situation der America in den späten 50ern und 60ern, sowie in ihren späteren Karrieren in den jeweiligen Kapiteln.


Die America in Bremerhaven.
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